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Hinweis
7/8.2016




Brunnen : Das Fabrikutop


von: Daniela Hardmeier

  
links: Heiko Blankenstein · Gravitational Lense, 2016, Mixed Media, Ausstellungsansicht
rechts: Claudia Bucher · Ausstellungsansicht


Wo früher Zement gemahlen wurde, findet heute Kunst statt. Auf dem gigantischen Areal der ehemaligen Holcim in Brunnen verwandeln die beiden Künstlerkuratoren Mischa Camenzind und Philipp Ehgartner das frühere Mühlengebäude für einige Wochen in ein Biotop, das den herben Charme bröckelnder Industriebauten mit abenteuerlichen, gewagten, verstörenden und betörenden Kunstwerken verbindet. Rund 1000 m2 Fläche auf fünf Geschossen bieten Raum für Werke von sechzig Kunstschaffenden aus der ganzen Schweiz. Vieles entstand direkt vor Ort, die sperrigen Räumlichkeiten, verbunden durch Stahlgittertreppen und Rampen und unterteilt durch Betonelemente, die teilweise über mehrere Etagen reichen, lassen den Raum zum Experimentierfeld werden. Nischen, Treppen, Verwinkelungen oder Betonsockel betont Lukas Lehnherr mit seinen aus einfachen Holzelementen konstruierten Sitzgelegenheiten. Sie begleiten durch die gesamte Ausstellung, lenken das Auge auf architektonische Details und brechen so das Überdimensionale dieses Raums auf ein menschliches Mass herunter. Anders die beiden Werke von Heiko Blankenstein, die mit der Mächtigkeit und Höhe des Baus spielen. Die weit ausgreifenden Strahlen seiner Sterne vermitteln ein Gefühl der Schwere und des Schwebens zugleich. In diesem Spannungsfeld des Auslotens und der Akzentuierung von Architekturelementen bewegt sich ein Grossteil der Kunstwerke, der Ort verlangt geradezu danach. Und bietet wunderbare Räume für Versuchsanordnungen und ephemere Welten, wie beispielsweise im langen Seitengang, über den die Ausstellung betreten werden muss. Hier rieselt still der Kies und fluoreszierende Pilze glimmen aus dunklen Ecken. Die Unsicherheit wird zum ständigen Begleiter in dieser Schau, gewohnte Sicherheiten geraten ins Wanken. Augenfällig wird dies im gefluteten Kellergeschoss. Die Videoarbeiten von Susanne Hofer und Georgette Maag spiegeln sich in den knöcheltiefen Pfützen. Welche Räume durchwandern wir hier, und woher stammt das fliessende Wasser? Zumindest die Füsse können trocken bleiben, Gummistiefel stehen bereit. Der Gang in die Peripherie lohnt, Ort und Kunst verbinden sich zu einem dichten und verspielten Abenteuer. Konzerte und Lesungen begleiten die Ausstellung, eine Publikation dokumentiert die entstandenen Kunstwerke.

Bis: 16.07.2016



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Ausgabe 7/8  2016
Ausstellungen Das Fabrikutop (60 Kunstschaffende) [24.06.16-16.07.16]
Institutionen Nova Brunnen [Brunnen/Schweiz]
Autor/in Daniela Hardmeier
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