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7/8.2016




Düsseldorf : Dominique Gonzalez-Foerster


von: Katja Behrens

  
links: Dominique Gonzalez-Foerster · 1887-2058, Installationsansicht Kunstsammlungen NRW K20
rechts: Dominique Gonzalez-Foerster · 1887-2058, Installationsansicht Kunstsammlungen NRW K20


Eigentlich wollte sie auf die globale Erderwärmung anspielen. Heute, in aktueller Lesart, erinnert die Arbeit in der gros­sen Ausstellungshalle des K 20 allerdings vor allem an ein Flüchtlingscamp in einer Turnhalle. Aber das ist in Ordnung und muss sich nicht widersprechen, denn dies entspricht wohl dem offenen Blick, den Dominique Gonzalez-Foerster (*1965) mit ihrer Ausstellung ‹1887-2058› herausfordern möchte... Die Spanne ihrer Referenzen liegt dabei in der Zeit von 1887 bis 2058, das lässt einigen Spielraum.
Der Riesenraum ist vollgestellt mit Etagenbetten, auf den Bettrosten aus Draht liegt je ein Buch. Zwischen den Bettreihen versperren immer wieder grosse Skulpturen den Weg, prominent und riesig eine gelbe Madonna von Katharina Fritsch, ein Nashorn von Johannes Brus, eine Calder-Skulptur, eine Bronze von Henry Moore u.a., aufgeschwemmt vom gros­sen Regen, vor dem sie gerettet wurden. So jedenfalls geht die Erzählung, die der Installation zugrunde liegt. Die Kultur hat in dieser fiktiven Zukunft offenbar über die Natur gesiegt: Kunstwerke, nicht Tiere werden gerettet.
Ansonsten wendet sich der Blick in der gemeinsam mit dem Centre Pompidou entwickelten Ausstellung auch gerne zurück. In den aufwendig inszenierten Environments und Filmen, den Sound- und Textarbeiten der französischen Künstlerin sind Räume und Zeiten auf eine seltsame Weise miteinander verknüpft. Der Regen ist auch von Ferne noch zu hören, da ist man aber vielleicht längst in der grossen Kammer gelandet, in der die Garderobe der Künstlerin zum Nachdenken über Mode und Style einlädt.
Oder in dem braun-düsteren Schlafzimmer von Rainer Werner Fassbinder im Stil der Siebzigerjahre. Überall hat Gonzalez-Foerster Reminiszenzen aus vergangenen Zeiten und verschiedenen Kontexten eingestreut, kleine Details oder ganze Architekturen, Echo-Räume, in denen die unterschiedlichsten Narrationen mal laut, mal leiser nachhallen. Wer als Besucher/in allerdings die Bücher und Filme nicht kennt, die Codes nicht entschlüsseln kann, hat dann bestenfalls ganz private, persönliche Assoziationen.
Die Ausstellung sollte «ein richtig grosser Auftritt» von Gonzalez-Foerster werden, und das ist durchaus gelungen, allerdings muss eine Kunst, die Offenheit für je eigene Assoziationen des Publikums ausdrücklich gestattet und sich selbst lediglich als Spielplatz versteht, damit klarkommen, dass nicht alle Angebote gleichermassen angenommen werden. Die Künstlerin möchte schliesslich, so sagt sie, bloss Impulse geben, keine Anweisungen.

Bis: 07.08.2016



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Ausgabe 7/8  2016
Ausstellungen Dominique Gonzalez-Foerster [23.04.16-07.08.16]
Institutionen K20 Kunstsammlung NRW [Düsseldorf/Deutschland]
Autor/in Katja Behrens
Künstler/in Dominique Gonzalez-Foerster
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