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Hinweis
7/8.2016




Olten : Grüezi! Bienvenue! Welcome!


von: Iris Kretzschmar

  
links: Florian Graf · Weg weisend, 2015, Aluminium, screen print, ca. 375x170x170 cm, Courtesy Galerie Grieder Contemporary, Zürich
rechts: Sasha Huber · Rentyhorn, 2008, Videostill aus Video, 4'30''


Ausgehend von Sammlungswerken spürt das Kunstmuseum Olten dem Blick auf die Schweiz in Bildern aus 200 Jahren nach: Der Dialog zwischen Landschaftsidylle und kritischer Befragung der Schweizer Mythen lässt ironische Brechung und patriotische Aussage fruchtbar aufeinandertreffen.
Der Wegweiser Florian Grafs empfängt uns mit den drei Schlagworten der Französischen Revolution, die für die Errungenschaften des jungen Bundesstaats richtungsweisend waren. Sind sie es auch heute noch? ‹Liberté› weist vieldeutig aufs Museum! Gleich daneben laden Plakate mit der kritischen Volksbefragung ‹Point de Suisse› zum Nachdenken ein - ein vom Bundesrat zensuriertes Projekt vom Künstlerduo Com & Com.
Undenkbar wäre eine Schweiz ohne das Motiv der Bergwelt! Mit ein Grund, den ‹Mönch› von Ferdinand Hodler wieder einmal zu zeigen und mit jungen Positionen zu konfrontieren. So warnt gleich neben der gemalten Huldigung H.R. Fricker mit einem Emailschild ‹Beware of mountains›. Auch HR Fitze zeigt die Alpen in gebrochener Perspektive und lässt den Fensterrahmen zum Grabkreuz mutieren. Dass sich bekannte Gipfel auch auf anrüchige Personen beziehen können, beschäftigt die Künstlerin Sasha Huber. Eindrücklich sind ihre dokumentierten Bemühungen für die Umbenennung eines Walliser Bergs in ‹Rentyhorn›. Der ursprüngliche Name, ‹Agassizhorn›, geht auf den Glaziologen und Rassentheoretiker Louis Agassiz zurück, Renty hingegen trat als Sklave in dessen umstrittenen Schriften auf.
Ein Projekt der schwedischen Künstlerin Carla Åhlander kam genau richtig: Ein Ferienbild ­ihres verstorbenen Vaters führte sie auf Spurensuche in die Schweiz. Ihre Auseinandersetzung mit Erinnerung, Familiengeschichte und der Verschiebung der vorgefundenen Realität hält sie in subtilen Fotografien fest.
Dem touristischen Blick setzt Barbara Davatz farbig übersättigte Postkartenbilder entgegen, und das Handorgel-Ensemble ‹Balgerei› von Urban Mäder und Peter Allamand bildet die musikalische Kulisse. Wie von Geisterhand geführt bewegen sich die Instrumente durch computergesteuerte Staubsauger. Der melancholische Toncluster mag so gar nicht zur «lüpfigen» Volksmusik passen. Einen Abschlussakkord setzt der hintergründige Film ‹A Land Fit for Heroes› von collectif_fact, der eine scheinbar unversehrte ländliche Gegend mit Suspense auflädt.

Bis: 21.08.2016



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Ausgabe 7/8  2016
Ausstellungen Grüezi! Bienvenue! Welcome! Künstler sehen die Schweiz [21.05.16-21.08.16]
Institutionen Kunstmuseum Olten [Olten/Schweiz]
Autor/in Iris Kretzschmar
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