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7/8.2016




Paris : Jan Dibbets


von: J. Emil Sennewald

  
Gustave Le Gray · Effet de soleil dans les nuages - Océan, 1856-57. Foto: J.M. Protte


Blinde sehen anders: ohne Horizont. Die magische Linie besetzt das Blickfeld der Sehenden. Trennt Himmel und Erde, schneidet das Bild entzwei. Horizont entfaltet als Grenze zwingende Kraft, lässt glauben, zu sehen, was erst der vom Bild geformte Blick zu artifizieller Realität macht: Landschaft. Jan Dibbets, Künstler mit konzeptuellen wie romantischen Zügen, weiss um die bildmächtige Wirkung dieser Linie. Bereits 2010 zeigte das Musée d'art moderne de la ville de Paris ‹Horizons›. Fotomontagen aus Meeres- und Weidekanten. Jetzt gibt es dem Niederländer Raum, um seine Vorbilder zu zeigen: Gustave Le Gray war der Erste, der künstliche Horizonte für stimmungsvolle Marine-Szenen in Schwarz-Weiss nutzte. Dibbets sortiert aus der Sammlung des Museums eine Historie zwischen Fotografiegeschichte, künstlerischer Aufarbeitung des Mediums und Autobiografie. Eadweard Muybridges Studien «tierischer Bewegung» werden als Bildner konzeptuellen Sehens wahrnehmbar. Chronofotografen wie er und Étienne-Jules Marey haben für Dibbets den Minimalismus vorbereitet. Entlang Wahlverwandter wie Bruce Nauman/Man Ray, Michael Snow/William Anastasi, Meret Oppenheim/Thomas Ruff durchläuft die Horizontlinie die Ausstellung. Mal als roter Faden, mal als Spur, Wissenschaft mit Kunst verknüpfend. Fotografie als Horizont von Besetzung und Beschreibung dessen, was heute scheinbar nur durch Bilder noch erkennbar ist.

Bis: 17.07.2016



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Ausgabe 7/8  2016
Ausstellungen Jan Dibbets [25.03.16-17.07.16]
Institutionen Musée d’Art moderne de la Ville de Paris [Paris/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Jan Dibbets
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