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7/8.2016




St. Gallen : Jill Magid - The Proposal


von: Nicola Schröder

  
links: Jill Magid · The Offering (Tapete de Flores), 2016, Courtesy Labor, Mexiko-Stadt/RaebervonStenglin, Zürich/Untilthen, Paris. Foto: Stefan Jaeggi
rechts: Jill Magid · The Proposal, 2016, Courtesy Labor, Mexiko-Stadt/RaebervonStenglin, Zürich/Untilthen, Paris. Foto: Stefan Jaeggi


Die Ausstellung ‹The Proposal› der Amerikanerin Jill Magid (*1973, Bridgeport) ist in gleichem Masse intellektuell wie poetisch. Wie der Titel vermuten lässt, steckt sogar etwas Romantik darin, und das, obwohl sie sich eigentlich mit Machtgefügen, Kontrollinstanzen und der scheinbar trockenen Frage nach der Zugänglichkeit künstlerischer Vermächtnisse auseinandersetzt. Tatsächlich zu sehen sind in der Kunsthalle eine Ansammlung von schriftlichen Dokumenten, dazu ein grosses, farbenprächtiges Blumenornament und die filmische Aufnahme einer Urnen-Exhumierung. Trotz einer gewissen Strahlkraft dieser Dinge ist eine Reflexion der Vorgänge hinter den Exponaten genauso notwendig wie spannend: ‹The Proposal› stellt den vermutlich vorläufigen Höhepunkt der langjährigen Auseinandersetzung der Konzeptkünstlerin mit dem mexikanischen Architekten Luis Barragán (1902-1988) und dessen Vermächtnis dar. In ihrer Ausstellungsreihe ‹The Barragán Archive› kreist Magid seit 2013 um diesen Nachlass, der wegen Verkaufs der Öffentlichkeit und den Angehörigen verborgen bleibt. Magids Arbeit beinhaltet das eigene Engagement um eine Freigabe des verkauften Teils, ihre Briefe an Behörden, Angehörige und die aktuellen Besitzer. Käufer des beruflichen Nachlasses inklusive sämtlicher relevanter Architekturfotografien war 1995 der Vorsitzende der Schweizer Möbelfirma Vitra, Rolf Fehlbaum. Dieser schenkte ihn seiner Verlobten Federica Zanco, der heutigen Chefin der Barrágan Foundation. Magid machte sich in der Geschichte Barragáns von der Beobachtenden zur Agierenden und überzeugte die Hinterbliebenen Barrágans von einer Exhumierung mit dem Zweck der Entnahme einiger seiner sterblichen Überreste. Daraus liess Magid in der Schweiz einen Diamanten anfertigen und diesen in einen Ring integrieren. Die Ausstellung in St. Gallen ist nun der Antrag an Federica Zanco - mit Blick auf die damalige Verlobung mit Rolf Fehlbaum -, ihr im Austausch einer Rückgabe des Archivs an Mexiko den Barrágan-Ring zu schenken. Damit schafft Magid zugleich eine eigene Interventions-Kunstform, die aus performativen, schriftlichen und installativen Elementen besteht. Mit Erfindungsgabe und persönlichem Einsatz führt sie so die Relevanz eines Individuums sowie einmal mehr die Absurdität rechtlicher und institutioneller Strukturen vor.

Bis: 21.08.2016



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Ausgabe 7/8  2016
Ausstellungen Jill Magid [04.06.16-21.08.16]
Institutionen Kunst Halle Sankt Gallen [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Künstler/in Jill Magid
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