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7/8.2016




Zürich : 100 Jahre Frauen-Power 1916-2016


von: Susann Wintsch

  
links: Noomi Gantert, Ruth Zürcher, Lissy Funk, Moik Schiele (v.l.n.r.) · 100 Jahre Frauen-Power - Textilwelten der Avantgarde der 69er und 70er Jahre, 2016, Ausstellungsansicht Art Dock Zürich
rechts: Garance (Bilder), Katrin Zuzakowa (Skulpturen · 100 Jahre Frauen-Power - Wilde Welten, 2016, Ausstellungsansicht Art Dock Zürich


Kunstwerke von Frauen sind aus Gründen, die tief in der Gesellschaft verankert sind, chronisch unterrepräsentiert. Dies betrifft sowohl Einzel- als auch Gruppenausstellungen, Repräsentationen in Galerien, öffentliche Ankäufe sowie den spektakulären Anteil an den Gewinnen in Auktionen der Moderne und Gegenwart. Können Ausstellungen, die einzig und allein den künstlerischen Arbeiten von Frauen gewidmet sind, daran etwas ändern? Unbedingt, meinte Maura Reilly am Symposium ‹Curating in Feminist Thought›, das jüngst in Zürich stattfand. Women-only-Ausstellungen trügen dazu bei, Namen und Positionen in die öffentliche Wahrnehmung einzubetten. Nein, widersprechen andere, auf diese Weise werde die Exklusivität weiter festgeschrieben. Zudem könnten die Verantwortlichen danach mit Erleichterung zum Status quo zurückkehren. Ursina Roesch, die ‹100 Jahre Frauen-Power 1916-2016› zusammen mit Ralph Baenziger kuratiert hat, berichtet, dass die Reaktionen der Angefragten tatsächlich zwischen diesen beiden Polen gependelt seien und quer durch die Generationen zu Teilnahme oder Ablehnung geführt hätten. Dennoch sind unvorstellbare 150 Positionen versammelt worden. Sie schaffen eine Differenz in Ausgangslage und Stimmung und platzen beinahe aus den Nähten der Ausstellungshallen. «Frauen-Power» ist zweifellos, egal welch kritischer Position man zugeneigt ist, Teil einer im Entstehen befindlichen Enzyklopädie über das Schweizer Kunstschaffen mit Zürcher Bodenhaftung. Von der eher zufällig wirkenden Auswahl kann man vorerst halten, was man will; der staunenswerten Qualität der rund 3000 Arbeiten tut dies keinen Abbruch. Eine besondere Entdeckung sind umwerfende textile Arbeiten, gewiss als Folge der neuen Sicht auf Sophie Taeubers Webarbeiten. Zusammengetragen wurden sie gemeinsam mit den Künstlerinnen aus den Ateliers, durch die Nachlassverwalter/innen und aus öffentlichen Sammlungen. Ein grosses Augenmerk wurde auf die Wahl repräsentativer Werke gelegt. Sicherlich wäre die Hälfte der Positionen mit einer reicheren Werkauswahl produktiver gewesen. Darauf könnte man, in den Folgejahren, einen zweiten und dritten Teil folgen lassen. Und vielleicht erhält die eine oder andere Position in den kommenden Jahren eine grössere Beachtung in den Schweizer Häusern.

Bis: 18.08.2016



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Ausgabe 7/8  2016
Ausstellungen 100 Jahre Frauenpower (1916-2016) [09.04.16-18.08.16]
Institutionen Art Dock [Zürich/Schweiz]
Autor/in Susann Wintsch
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