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Besprechung
9.2016


Alice Henkes :  Wie Gruppen funktionieren, dem geht die Künstlergruppe JocJonJosch in genial simplen Aktionen nach. In Brig und Zürich zeigen der Brite Joc Marchington und die beiden Schweizer Jonathan Brantschen und Joschi Herczeg Arbeiten zu sozialen Netzen und sinnbildlicher Sinnsuche.


Brig : JocJonJosch - Gegeneinander im Miteinander


  
JOCJONJOSCH · Rased Totem/Photograph of a Totem, 25. Juni 2016 (rased ist zusammengesetzt aus erased und raised)


Um Netzwerke im buchstäblichen Sinn ging es JocJonJosch in einer ihrer ersten Performances. Mit einer feinen Nadel zogen sich die drei Künstler Nähgarn durch die Haut an Füssen und Händen, Armen und Beinen und verbanden sich miteinander. Bewegte sich einer von ihnen, so geriet das ganze Fadenwerk in Schwingung. Das Bild der Seilschaft, deren Mitglieder sich in wechselseitiger Abhängigkeit schützen und fördern, klingt hier ebenso an wie das der Marionette, die von fremder Hand gelenkt wird. Die Verflechtungen, die sich durch wechselseitige Interaktionen ergeben, werden sichtbar durch die Fäden, die sich im Lauf der Performance verwirren.
Die unsichtbaren Netze, die soziale Einheiten verbinden, interessieren das schweizerisch-britische Trio JocJonJosch, hinter dem sich Joc Marchington (*1976), Jonathan Brantschen (*1981) und Joschi Herczeg (*1975) verbergen. Mit genial einfachen Methoden machen die drei Prozesse von Beeinflussung und Nachahmung sichtbar, ohne sie zu erklären. So bleibt immer eine Spur Rätselhaftigkeit. In Genf veranstalteten sie 2014 die ‹Untitled Running Walking Jogging Performance› - mit vierzig Teilnehmenden, die sich nackt im Raum bewegten. Jede und jeder sollte jeweils einer anderen Person folgen und sich deren Tempo anpassen, die Person konnte beliebig oft ausgetauscht werden. Die Wechsel in den Bewegungsmustern blieben für Aussenstehende undurchsichtig. Für die Arbeit ‹Dig Shovel Dig›, 2014/15, grub jeder von ihnen ein Loch in die Erde und warf den Aushub jeweils in das Loch des anderen. So entstand eine Art sisyphoscher Ring, in dem das Gegeneinander im Miteinander und die Frage nach der Sinnhaftigkeit menschlichen Bemühens anklingen. Auch für ihre Intervention im Rahmen von ‹Stadtmöbel - Kunst in der Stadt Brig› nutzen JocJonJosch das Graben in der Erde als Sinnbild für die Suche nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält. Neben dem Erdloch, das sie auf einer Freifläche ausheben, häufen sie die ausgeschaufelte Erde auf zu einem künstlichen kleinen Hügel, der für die Lust an Aussicht und Überblick steht. Was hier nur beiläufig-humorvoll angedeutet wird, haben die drei an anderer Stelle deutlicher ausformuliert, indem sie ausgehobene Erde zu Stampflehm-Blöcken pressten und daraus einen Turm bauten, der, halb Totempfahl, halb Burgturm, in die Landschaft gestellt wurde - auf dass ihn die Elemente nach und nach wieder wegwaschen.

Bis: 07.10.2016


Stadtmöbel - Kunst in der Stadt Brig, bis 7.10.
Dienstgebäude Zürich, bis 1.10. www.dienstgebaeude.ch



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Ausgabe 9  2016
Institutionen Le Manoir [Martigny/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Link http://www.culturevalais.ch
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