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Besprechung
9.2016


Niklaus Oberholzer :  Die Biografie ist filmreif: Die 1918 in Luzern geborene Sonja ­Sekula zieht mit 18 nach New York, liebt viele Künstlerinnen, pflegt Künstlerfreundschaften, stellt bei Peggy Guggenheim aus, ist psychisch labil und bringt sich 1963 in Zürich um. Das Kunstmuseum zeigt Sonja Sekula in ihrem Umfeld.


Luzern : Sonja Sekula, Max Ernst, Jackson Pollock & Friends - ein Biotop


  
links: Sonja Sekula · Animal Without Subject of War, 1944, Öl auf Leinwand, 46x66 cm, Kunstmuseum Luzern
rechts: Sonja Sekula mit ihrem Werk (ohne Titel, 1942) in André Bretons Wohnung in New York, 1945


Der Ausstellungstitel ‹Sonja Sekula, Max Ernst, Jackson Pollock & Friends› ist vielleicht Tiefstapelei, denn in dieser von Fanni Fetzer kuratierten Ausstellung - der Direktorin des Hauses standen Dominik Müller und Heinz Stahlhut zur Seite - sind nicht nur Ernst und Pollock, sondern auch Louise Bourgeois, Joseph Cornell, Marcel Duchamp, Arshile Gorky, Jean Hélion, Roberto Matta, Robert Motherwell, Louise Nevelson, Barnett Newman, Mark Rothko, Kurt Seligmann, Sophie Taeuber-Arp, Mark Tobey, Maria Helena Viera da Silva und manch andere vertreten. Im Zentrum allerdings steht Sonja Sekula, trotz illustrer Entourage eher den Spezialist/innen als einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Ganz vergessen ist sie aber nicht. 1996 rief Dieter Schwarz ihr Werk im Kunstmuseum Winterthur in Erinnerung, 2008 stellte das Kunsthaus in Aarau sie Annemarie von Matt gegenüber und zeigte damit zwei Künstlerinnen auf der brüchigen Grenzlinie zwischen Wort und Bild. Das Kunstmuseum Luzern fügt nun zu rund neunzig Arbeiten Sekulas - Gemälde, aber auch sehr viele Arbeiten auf Papier wie Zeichnungen und Aquarelle und dazu Objekte wie bemalte und mit allerlei Fundgegenständen gefüllte Streichholzschachteln - etwa fünfzig Werke ihrer Weggefährt/innen und zeigt damit Sekula nicht isoliert, sondern in ihrem Umfeld und damit in jenem «Biotop», in welchem sich das sehr persönliche und nach innen gewandte Schaffen wohl erst fruchtbar entfalten kann. Hinter all dem steckt viel akribische Recherche in Europa und in New York, denn die Ausstellung basiert auf genau erforschten biografischen Fakten, die ein überraschend dichtes und zugleich weitläufiges Netzwerk Sekulas belegen, das die Künstlerin nicht nur mit den erwähnten Pionieren der amerikanischen Nachkriegskunst verbindet, sondern auch mit in der Ausstellung nicht aufscheinenden Persönlichkeiten wie Frida Kahlo oder Leonora Carrington oder mit Cage, Cunningham und Morten Feldman.
Sonja Sekulas in etwa 25 Jahren entstandenes Werk entwickelt sich nicht gradlinig. Vielmehr breitet es sich fast wuchernd innerhalb der gegensätzlichen stilistischen Möglichkeiten der Avantgarde-Szenen New Yorks und Europas aus. So zeigen sich innerhalb dieses Biotops Bezüge ganz unterschiedlicher Art, und oft ist erst nach genauem Hinsehen auszumachen, ob nun eine Arbeit von Sekula oder von einem der im Ausstellungstitel «Friends» genannten Künstler/innen stammt. Gerade deshalb wird der Besuch der Schau zum spannenden Erlebnis.

Bis: 25.09.2016



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Ausgabe 9  2016
Ausstellungen S. Sekula, M. Ernst, J. Pollock & Friends [11.06.16-25.09.16]
Video Video
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Sonja Sekula
Künstler/in Max Ernst
Künstler/in Jackson Pollock
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