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9.2016




Digitale Kunst - Projekt des Monats / Kari Altmann, ‹Soft Mobility›


von: Raffael Dörig

  
Kari Altmann · Soft Mobility, Still, 2016 (seit 2013 fortlaufend)


Bilder begegnen uns online nicht isoliert, sondern als Teil von dynamischen Netzwerken, flüchtig angeordnet in den Rastern oder Feeds von Social-Media-Plattformen, mannigfach geteilt, dekontextualisiert oder bearbeitet. Im Kern von Kari Altmanns Arbeit befinden sich solche Bildernetze, präzise gesponnen aus gefundenem Material, das teilweise verändert, gefiltert, beschnitten ist, und aus eigenen Bildern wie Handyfotos oder 3D-Objekten. Wobei ich hier mit Unterscheidungen von «fremdem» und «eigenem» Material nicht weit komme. Schliesslich geht es gerade auch darum, dass immer verschiedene Netzwerke von Akteuren und Formen von Autorschaft im Spiel sind. Ein Bild kann aus einem kommerziellen Zusammenhang stammen, in einer Nischen-Subkultur umgedeutet und tausendfach geteilt werden und schliesslich eine Bedeutungserweiterung als Teil eines Schwarms von Bildern auf einer der Seiten der Künstlerin erfahren. Formen der Bildbearbeitung sind nicht nur Eingriffe in die visuelle Oberfläche, sondern auch in die Metainformationen wie die Tags (welche die Bilder wiederum in neue Kontexte einschleusen helfen) oder die besagte Dekontextualisierung und Re-Kombination.
Ein wichtiger Teil von Kari Altmanns Material stammt aus kommerziellen Kontexten oder steht in Zusammenhang mit Konsumkultur, mit der mächtigen Bildproduktion im Dienste eines Markenimages. Aber es gibt gerade in den Bildnetzwerken des Web vielfältige Formen von Appropriation, Remix und Hybridisierung von Brands, beispielsweise in Subkulturen. Die Künstlerin geht in ihrer Arbeit einer «Oberflächenlust» (Altmann) nach, die sie an visuellen Tropen wie Flüssigkeit, Glanz und Glattheit festmacht. Immer wieder tauchen biomorphe Designs oder das Benutzen von Naturmetaphern und Primitivismus für Technologie auf, etwa in ‹Soft Mobility›, seit 2013, eine Arbeit, in der Altmann von den Themen Mobilität und Telekommunikation ausgeht. Der Ausgangspunkt für ‹Ttoshibaa›, seit 2009, ist die Bildwelt der Werbung der Unterhaltungselektronikmarke Toshiba. Altmann sagt, die Marke sei Teil ihrer mentalen Landschaft - die kommerziellen Bildwelten scheinen unausweichlich und verinnerlicht. Wie bereits im Titel, der die Marke um zwei Buchstaben verlängert - es geht hier um visuelle und geschriebene Sprache -, erweitert und verschiebt die Künstlerin jedoch diese Markenwelt, macht sie sich zu eigen und schält das Unheimliche im Vertrauten heraus.



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Ausgabe 9  2016
Autor/in Raffael Dörig
Link http://softmobility.org
Link http://karialtmann.com
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