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9.2016




Böheimkirchen/Wien : Georgia Creimer und Thomas Reinhold


von: Patricia Grzonka

  
Georgia Creimer (li.), Thomas Reinhold (re.) · Liquid: Morph, 2016, ­Ausstellungsansicht Art Room Würth, Böheimkirchen. Foto: Ana Paula Franco


Wie kaum ein künstlerisches Medium schafft es die Malerei immer wieder, sich von den Rändern ihrer eigenen Möglichkeiten neue Spielregeln aufzuerlegen. Mit Georgia Creimer und Thomas Reinhold hat die Sammlung Würth Austria in ihren Art Room rund 40 Kilometer westlich von Wien eine Künstlerin und einen Künstler eingeladen, die beide sozusagen von den Rändern her, vom Prozess des Malens, ihre Bildfindungen betreiben. Beide beschäftigen sich nicht ausschliesslich mit Malerei, aber für beide ist dieses Medium ein wichtiges Werkzeug zur Hinterfragung bildnerischer Gestaltung. Meditative Prozesse führen zu Metamorphosen und zur Bildung von irritierenden Formen in der Verwendung von ­explodierenden (Reinhold) oder opaken (Creimer) Farbkombinationen.
Für Georgia Creimer (*1964, São Paolo) beginnt dieser Prozess mit Blindzeichnungen, aus denen sie in weiteren Verfahren Formen herausfiltert, die sie auf grosse Formate mit Acryl oder Bleistift überträgt. Der unbewusste Prozess steht am Beginn und wird durch das «wissende» Auge und den späteren Eingriff am Computer gezähmt. So entstehen eine Reihe von organisch wirkenden Formen - ein Baumstamm, ein Arm oder ein Stück Oberschenkel -, die seltsam amorph Natur zu imitieren scheinen. Die Farben unterstreichen diesen Anspruch: eine orange-beige-bräunliche Palette lässt einen an- und abgestossen zugleich zurück.
Thomas Reinhold (*1953, Wien) nähert sich einem perfekt austarierten Bildgeschehen durch Schüttung von flüssiger Farbe auf die Leinwand, die kontrolliert vor- und zurückgeschoben wird. Durch das mehrmalige Wiederholen dieses Vorgangs entsteht ein dichter bildnerischer Raum, der durch die übereinander aufgetragenen Schichten wie von allein wächst. Hier mündet in einem strukturellen Balanceakt ein abstraktes Bildverfahren durch eine sehr körperliche Vorgehensweise in ein vielschichtiges «Gemälde».
Gerade in der Gegenüberstellung von zwei vermeintlich ähnlichen Positionen lassen sich die unterschiedlichen Zugänge und spektakulären Möglichkeiten zeitgenössischer Malerei besonders erhellend studieren. Die Sammlung Würth - eine der grössten privaten Kunstsammlungen Europas - mit Stammsitz im deutschen Künzelsau betreibt inzwischen an 15 Orten externe Showrooms. In der Schweiz befindet sich dieser in Rorschach, wo 2013 das Forum Würth Rorschach mit einer Ausstellungsfläche von 600 m² eröffnet wurde.

Bis: 30.09.2016



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Ausgabe 9  2016
Ausstellungen G. Creimer, Th. Reinhold [08.08.16-30.09.16]
Institutionen Art Room Würth [Böhelmkirchen/Österreich]
Autor/in Patricia Grzonka
Künstler/in Georgia Creimer
Künstler/in Thomas Reinhold
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