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9.2016




Luzern : Andy Guhl


von: Peter Kraut

  
links: Andy Guhl · Performance Stoerungs Festival 6, 2011, Barcelona. Foto: Miguel Angel Ruiz
rechts: Andy Guhl · Anzapfstelle Dunkelnebel (Series: Obsidian: The silizium of the stone age), Filmstill aus ‹expanded cracked everyday electronic›, 2016


Seit über vierzig Jahren widmet sich Andy Guhl (*1952, Steckborn) in seinen Installationen und Performances der Hardware-Geschichte der elektronischen Musik. Als Pionier der geknackten Alltagselektronik nähert er sich den unendlichen musikalischen und visuellen Möglichkeiten dieses Feldes aber nicht als User, sondern als subversiver Nutzer und Erforscher. Ein Gang durch sein Atelier gleicht einer Forschungsreise in die Medien­geschichte des letzten Jahrhunderts. Guhl kennt den Code von Festplatten und Röhrenbildschirmen, Computermäusen und Billigkameras, die er in poetischen Verflechtungen entgegen ihrem eingeschriebenen Gebrauch zum Klingen und Leuchten bringt. Andy Guhl holt die Kunst aus der profanen Technologie heraus, ohne dass er jemals eine Bedienungsanleitung lesen, Klangbibliotheken anzapfen oder Presets studieren müsste. Anlässlich der Biennale in Venedig 2001 etwa versetzte er mit seinem damaligen Partner Norbert Möslang im offiziellen Schweizer Beitrag die Kirche San Stae in Schwingung. Neben seinen Live-Auftritten arbeitet Guhl oft in Kunsträumen, in denen er sein Netzwerk aus Bildschirmen, Lautsprechern und Gerätschaften verknüpft. Für die aktuelle Performance-Serie in den Luzerner Edizioni Periferia stellt er einen Teil seines umfangreichen Hardware-Archivs in zwei unterschiedlich eingerichteten Räumen spielbereit zur Verfügung. Während der eine Raum die Situation von 1975 wiedergibt, widmet sich der andere Guhls aktueller ­Arbeitssituation. An ausgewählten Daten werden Gäste eingeladen, die mit Guhl diese Situation und die damaligen Instrumente neu interpretieren, unter anderen stehen ihm Schlagzeuger Julian Sartorius, Akkordeonist Jonas Kocher, Elektro-Poet Yan Jun, Komponist Charles Uzor oder Trompeter Franz Hautzinger zur Seite. Dieses Setting von 1975 wird gleichermassen als Partitur und als Remix auf seine Aktualität hin befragt und bespielt. Letztlich geht es um die Frage, was aus den Klängen und Gerätschaften geworden ist, die vor vierzig Jahren aktuell waren. Damals urteilte ein bekannter Kritiker, diese Musik sei «Null und Nichts» - kein schlechter Ausgangspunkt für eine lange künstlerische Laufbahn zwischen Konzert, Installation und Performance. Ein Künstlerheft, Workshops und Diskussionen begleiten das Ausstellungsprogramm.

Bis: 01.10.2016


weitere Konzerte 3., 10., 24.9. und 1.10.



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Ausgabe 9  2016
Autor/in Peter Kraut
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