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9.2016




München : Sylvie Fleury


von: Roberta, De Righi

  
links: Sylvie Fleury · Gucci Satellite und Yeti Boots, Installationsansicht mit Franz von Stucks ‹Dissonanz›, Museum Villa Stuck, München, 2016. Foto: Jan Averwerser
rechts: Sylvie Fleury · Acne, 2014, Installationsansicht Museum Villa Stuck, München, 2016. Foto: Jann Averwerser


Im Salon der Münchner Villa Stuck stehen schicke Tüten herum, so als ob Mary, die einstige Hausherrin, eben vom Shoppen heimgekehrt wäre. Doch was aussieht wie eine Alltagsszene, sind die Readymades unter dem Titel ‹Acne›, 2014, die Sylvie Fleury aktuell drapiert hat. Während Franz von Stucks Gemälde für die Schau ‹Sünde und Sezession› nach Wien verliehen sind, darf sich die Genferin in den einstigen Wohnräumen und im Alten Atelier des Künstlerfürsten austoben. ‹My Life on the Road› heisst diese Präsentation, die viel um High Heels und High Speed kreist.
Seit rund 25 Jahren spielt Fleury konzeptuell und ironisch mit den Geschlechterklischees und Luxusstereotypen der Konsumgesellschaft. Da werden Schuhe zum Fetisch - ‹Alaia Shoes›, 2003 - und Schuhregale zum Allerheiligsten - ‹Retrospective›, 2008/16; ein Parfumflakon ‹C'est la Vie›, 1995, wird zum Weihegefäss, der Einkaufswagen zum Goldenen Kalb, ‹Ela 75 K, Go Pout›, 2000 - und die Motorhaube zum Altar: Eigens für diese Schau entstanden drei Glasarbeiten, ‹Car Wash Video Stills›, 2016, die jeweils eine weibliche Figur auf Stöckeln und im langen Kleid vor Buick, Chevy und Chrysler zeigen. Dass Fleury ein Faible für schnelle Flitzer und starke Maschinen hat, zeigen auch verchromte Zwölfzylindermotoren von 1999. Nur das rosa Riesen-Popcorn von 2008 aus mit Autolack überzogenem Fiberglas unter der Nachthimmeldecke des Musik­salons fällt in Dimension und Thema ein wenig aus dem Rahmen; korrespondiert allerdings mit den überdimensionierten bunten Pilzen von 2005-2011, die sie im Garten wachsen lässt.
Im Kontext der Villa ist dies alles amüsant, da Franz von Stuck als malerischer Kraftprotz mit Macho-Symbolik nicht geizte. Etwa die schwer symbolische Rakete, ‹First Spaceship on Venus›, 2015, mit Nude-Schimmer im Rauchzimmer und ihr silbernes Pendant als fluffiger Sitzsack, ‹Soft Rocket in Silver›, 1999, im Alten Atelier - bei dem alle Energie raus ist. Es ist nachvollziehbar, warum sich Sylvie Fleury über «Minimal-Don» Judd lustig macht, indem sie dessen ‹Stacks› mit amorphen ‹Blobs› bestückt oder Lucio Fontanas ‹Concetto Spaziale›-Schlitzungen aufs Korn nimmt. Letztlich bleibt das aber an der Oberfläche - vor allem in dieser Schau. Zudem sind viele Räume derart zugestellt, dass man leicht den Überblick verliert. Das Video ‹Chanel Bags/Cristal Custom Commando›, 2008, passt zwar ebenso gut in Marys Schlafzimmer wie der Revolver-Fön, 2009, ins ehemalige Bad. Die subversive Power verpufft jedoch in der Überfülle.

Bis: 03.10.2016



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Ausgabe 9  2016
Ausstellungen Sylvie Fleury [30.06.16-03.10.16]
Institutionen Villa Stuck [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Künstler/in Sylvie Fleury
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