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Besprechung
10.2016


Dominique von Burg :  Stunden-, ja tagelang steht Bernd Nicolaisen in isländischen Gletscherhöhlen, um auf das perfekte Licht für seine Aufnahmen zu warten. Die magisch anmutenden Eisbilder sind von ­allem Unwesentlichen befreit, bewusst ausgewählt und gestaltet. Sie stellen Zeit und Vergänglichkeit fotografisch dar.


Luzern : Bernd Nicolaisen - Vergänglichkeit des Ewigen


  
links: Bernd Nicolaisen · Cave of Sounds, 2014, Vatnajökull Mountain, Iceland, Transparency in light box, Edition of 3 + 2 AP. Courtesy the artist, Scheublein + BAK
rechts: Bernd Nicolaisen · Bergelmir, 2016, Vatnajökull Mountain, Iceland, Archival pigment print, Tableaux, mounted to Dibond, Edition of 3 + 2 AP. Courtesy the artist, Scheublein + BAK


Eine verborgene Welt von Gletscherhöhlen, Eistunneln und Gletscheroberflächen sowie Vulkanen tut sich vor unseren Augen auf. Die unberührten Orte der ­Einsamkeit, der Stille und der Melancholie zeugen von unermesslicher Erhabenheit und Ursprünglichkeit. Seit 2004 zieht es den ehemaligen erfolgreichen Modefotografen Bernd Nicolaisen (*1959, Aarberg) immer wieder nach Island. Meist in Begleitung ­eines Bergführers ist er in den endlosen Weiten der isländischen Eiswüsten unterwegs und dringt tief ins Innere von begehbaren Eishöhlen vor. Über ihm liegen oft meter­dicke Eisschichten, die einen grossen Teil des Sonnenlichts ausfiltern und ­eigentümliche Lichtverhältnisse erzeugen. Im sogenannten Restlicht der nordischen Wintersonne entfaltet das jahrhundertealte Gletschereis einen unvergleichlichen Glanz, den ­Nicolaisen fotografisch einfängt. Aus gewisser Entfernung betrachtet, ­gewinnen die Fotografien an Tiefe und kompositioneller Brisanz, während sie in der Nahsicht in kristalline Strukturen, Linienformationen und ornamentale Konfigurationen zerfallen. Durch die extremen Lichtbedingungen aufgrund des in die Höhlen dringenden Restlichts wird jedes Bild zu einer Entdeckungstour in bizarre Eis- und Gesteinsformationen, die in betörenden Farben von unwirklich tiefem Blau über strahlendes Türkis zu feinsten Grauabstufungen schimmern. Die spektakulären Formationen sind den im kristallklaren Eis der Gletscher eingeschlossenen Lavaspuren zu verdanken, die dem Bild eine geradezu dreidimensional wirkende Plastizität verleihen.
Die hinreissende Schönheit von Nicolaisens malerisch wirkenden Fotografien ist einmalig und unwiederbringlich; geht es dem Fotografen doch weniger um ein Dokument im wissenschaftlichen Sinn als vielmehr um das Bild. Nicolaisen spricht von seiner subjektiven Sicht, die zugleich auch dokumentarisch ist. Sämtliche Konstellationen von Eis und Licht, die der Berner Fotograf früher in den Alpengletschern und nun in Island festgehalten hat, sind längst wieder vergangen - verdunstet und aufgelöst in der nächsten Sommersonne. Seine Eisbilder erinnern daran, dass die Gletscher, wenn auch kaum merkbar, fliessen, kontinuierlich schwinden und die Erde stetem Wandel unterworfen ist. Im Zeitalter gefährdeter und zerstörter Landschaften und Gegenden schärfen die Fotografien unseren Blick und das Bewusstsein für die extreme Ausbeutung und Verletzlichkeit der Natur. So sind Nicolaisens Aufnahmen zugleich ein Appell an uns zu deren Bewahrung und Schutz.

Bis: 08.01.2016



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Ausgabe 10  2016
Ausstellungen Bernd Nicolaisen [12.05.16-05.03.17]
Institutionen Museum Gletschergarten [Luzern/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Bernd Nicolaisen
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