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10.2016




Aarau : Karl Ballmer und Max von Moos


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Max von Moos · Persische Fabel, 1953, rote Tusche und Tempera, auf Papier aufgezogen, 67,4x97,8 cm ©ProLitteris
rechts: Karl Ballmer · Kopf (Selbstbildnis), um 1931/32, Öl auf Sperrholz, 80,5x52,5 cm. Foto: Timo Ullmann


Das Lebenswerk des Aarauers Karl Ballmer (1891-1958) und das zeichnerische Werk des Luzerners Max von Moos (1903-1979) hat sich das Aargauer Kunsthaus in Aarau vorgenommen. Ballmer war letztmals, ebenfalls in Aarau, 1990 zu begegnen. Eine Ausstellung, einzig den Zeichnungen von Moos' gewidmet, gab's bisher nicht. Das Haus erschliesst damit den zeitweise der Anthroposophie und Rudolf Steiner nahestehenden Maler-Schriftsteller Ballmer einer neuen Generation und zeigt gleichzeitig einen bisher wenig beachteten, aber magisch wirkenden Kreativitätsstrang im Schaffen von Moos', der dem Surrealismus nahestand und als Lehrer für Generationen von Innerschweizer Künstlern eine Art «Übervater» war. Als selbstbewusste Einzelgänger in der Schweizer Kunst passen beide in kein herkömmliches stilistisches Begriffssystem.
Ballmer, der von 1922 bis 1938 in Hamburg lebte, fand wohl in der dortigen, unter dem Einfluss von Munch stehenden Avantgarde einen künstlerischen Rückhalt, und es gibt in seinem Werk Anklänge an Arp, Klee oder Picasso. Doch zuordnen lässt sich das Schaffen des Malers nicht, der 1938 von den Nazis Malverbot erhielt und in den Kanton Tessin übersiedelte. Es fällt auch schwer, eine Brücke zur Anthroposophie zu schlagen: Ballmer steht mit seinen meist flächigen Malereien in abgetönten, harmonisierenden Farben und mit kryptischen Bildfindungen - abstrahiert formulierte Figuren in unbestimmbaren Räumen, Köpfe (häufig existenzielle Selbstporträts), organische Landschaften, eine Art Gliederpuppen im Spätwerk - allein und auch menschlich einsam in der Schweizer Kunst seiner Zeit. Die von Thomas Schmutz betreute Ausstellung bietet eine Gelegenheit, sich mit dem Rätsel Ballmer zu befassen. Zu hoffen ist, dass sie dieses nicht leicht zugängliche, oft zwischen Figuration und reiner Malerei pendelnde Werk erneut ins Bewusstsein zu rufen vermag.
Max von Moos ist als Maler Schöpfer eines ausufernd-riesigen Bilderkosmos bekannt. Doch er war auch unablässig Zeichner. Im Kunsthaus in Aarau gibt Karoliina Elmer Einblick in dieses Material. Die Schau, die alle Schaffensjahre des Künstlers umfasst, ist umfangreich, zeigt jedoch zugleich nur einen winzigen Ausschnitt aus dieser an Manie grenzenden Tätigkeit. Es sind an Selbstanalyse gemahnende (Selbst-)Porträts, magisch überhöhte Landschafts­visionen, zerstückelte und wieder zusammengefügte, von züngelnden Schlangen begleitete Figurengebilde, Schreckens- oder Endzeit­visionen. Am Ende, als von Moos wegen seines Augenleidens nur mehr mit breitem schwarzem Filzstift zeichnen konnte, steht ein Konvolut düsterer zeichenhafter Figuren.

Bis: 13.11.2016



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Ausgabe 10  2016
Ausstellungen Max von Moos [28.08.16-13.11.16]
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Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Max von Moos
Künstler/in Karl Balmer
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