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10.2016




Bordeaux : LaToya Ruby Frazier


von: J. Emil Sennewald

  
LaToya Ruby Frazier · Mom Holding Mr. Art, 2005, Courtesy Michel Rein, Paris/Brussels


«Black lives matter» - der Slogan des aktuellen Kampfs um Bürgerrechte in den USA enthält das Problem: Er verteidigt, was selbstverständlich sein soll, und wiederholt so eine Trennung, die aufzuheben wäre. Wie auf Ungleichbehandlung hinweisen, wie dem «positive racism» entgehen? Vielleicht  - so Judith Butler - durch Performance. Ausagieren von Differenzen, um sie zu unterlaufen. Das versucht LaToya Ruby Frazier im Erdgeschoss des CAPC. Unter dem Titel ‹Performing social landscapes› versammelt die amerikanische Künstlerin Fotografien, Videos und installa­tive Arbeiten. Erzählt mit der Geschichte ihrer Familie im ehemaligen Stahlrevier Braddock in Pennsylvanien den Nexus zwischen postindustrieller Verödung, sozialer Ungerechtigkeit und faktischer Rassentrennung. Allgegenwärtig: ­Gewalt. Symbolische, identitäre Gewalt verkörpert bei Frazier die Grossmutter, die sie seit ihrem 16. Lebensjahr fotografisch begleitet. Frazier zeigt, was es bedeutet, sich keiner tragenden Identität anschliessen zu können. Sie agiert als Künstlerin an dieser Grenze. Bisweilen bleibt das etwas kühl entfernt. Doch das ­Video ‹LaToya Ruby Frazier Takes on Levi's›, 2011, in dem sie ihre Levis-Jeans vor einem von der Firma zum Marketing betriebenen Fotografie-Workshop auf der Strasse zerreibt, überzeugt. Sie performt, was die zynische Levis-Werbung verdecken will: Vereinnahmung durch Schein­identitäten, die den Menschen zerdrücken.

Bis: 09.10.2016



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Ausgabe 10  2016
Ausstellungen LaToya Ruby Frazier [21.05.16-09.10.16]
Institutionen CAPC [Bordeaux/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
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