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10.2016




Winterthur : Sigismund Righini


von: Lucia Angela Cavegn

  
links: Sigismund Righini · Blumenmarkt auf dem Bürkliplatz, 1915, Öl auf Leinwand, 85x99 cm, Kunstmuseum Winterthur, Depositum Gottfried Keller-Stiftung. Foto: SIK-ISEA/Lutz Hartmann
rechts: Sigismund Righini · Die Familie I, 1904, Öl auf Leinwand, 121,5x151 cm, Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, Winterthur. Foto: SIK-ISEA/Philipp Hitz


Sigismund Righini (1870-1937) gehört wie Giovanni Giacometti und Cuno Amiet zu den grossen Schweizer Koloristen um 1900. Das Museum Oskar Reinhart zeigt in seiner aktuellen Sonderausstellung mehr als sechzig Gemälde aus Righinis reifer Schaffensphase. Ein Grossteil der Leihgaben (22 an der Zahl - darunter Hauptwerke) stammt aus der Stiftung Kunst, Kultur und Geschichte, Winterthur. Ein weiteres wichtiges Konvolut aus der Stiftung Righini Fries, Zürich. Das Museum Oskar Reinhart beherbergt zwar zahlreiche Werke der Schweizer Moderne, jedoch kein Werk von ­Sigismund Righini. Umso spannender ist sein posthumer Auftritt in diesem Haus.
Es gibt nur wenige Berührungspunkte zwischen dem Winterthurer Kunstsammler und dem zunehmend kulturpolitisch engagierten Zürcher Künstler. Ab 1922, zu einem Zeitpunkt, als Oskar Reinhart vorerst nur punktuell Werke von Schweizer Künstler/innen erwarb, widmete sich Righini aus Zeitmangel hauptsächlich dem Medium der Farbstiftzeichnung. Die Schau konzentriert sich auf Righinis Ölmalerei von 1900 bis 1915, aus den Jahren seines künstlerischen Zenits. In dieser Zeit schuf er unter dem Eindruck von Cézanne und Bonnard ausgereifte Früchtestillleben mit raffinierter, entweder auf Kontrast oder auf Monochromie angelegter Farbgebung wie bei den ‹Roten Kirschen auf rotem Grund›. Eine Vorliebe für runde Formen konstatiert man im ebenfalls 1909 entstandenen Bild ‹Gordon Bennett-Cup›. Die gelben Ballone, die der Landschaft beinahe surrealen Charakter verleihen, leiten zum ‹Blumenmarkt auf dem Bürkliplatz› über. Das 1915 gemalte Grossformat zeigt drei rundliche Frauen in Rückenansicht vor üppiger Blumenauslage, die von einem Verkäufer feilgeboten wird. Die Bouquets und Hüte der Figuren fügen sich, da die räumliche Tiefe auf ein Minimum reduziert ist, zu einem bunten Flächenmuster zusammen. Ganz anders dagegen die Porträts seiner eigenen Familie, die unterkühlt wirken und die patriarchalische Gesellschaftsstruktur abbilden. Im Tableau ‹Familie I› präsentiert sich Righini in seiner dunklen Kluft - abgerückt vom Familientisch neben seiner künstlerischen Ahnengalerie stehend. In derselben Montur zeigt ihn sein lebensgrosses Selbstporträt von 1914. Selbstbewusst, beinahe schon furchteinflössend fixiert er sein Gegenüber mit halbverschatteten Augen. Die bekannte Zürcher Künstlerin Hanny Fries (1918-2009) war übrigens Righinis Enkelin.

Bis: 06.11.2016



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Ausgabe 10  2016
Ausstellungen Sigismund Righini [02.07.16-04.12.16]
Institutionen Museum Oskar Reinhart [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
Künstler/in Sigismund Righini
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