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Fokus
11.2016


 Einwürfe aus den Höhlen, durchs Zürcher Labyrinth, zu öffentlichen Frauen und ihren Bewegungen, mit frühgeschichtlicher Science-Fiction und nachgestellten Posen, die in diesem mitternächtlichen Gespräch von Anne Käthi Wehrli und Bettina Stehli auf der Welle zusammenkommen.


Performance im Blickfeld - Performing on Air


von: Romy Rüegger

  
Pandora's Box, Performance im Rahmen von Kunsthof Public Access Terminal, für Opportunities for Outdoor Play? Playgrounds - New Spaces of Liberty (The Question of Form), ein transdisziplinäres Recherche- und Produktionsprojekt, ZHdK, Kunsthof Zürich 2013. Foto: Patrick Cipriani


Mitternächtliches Sprechen, Bezüge herstellen und unterbrechen, also Live-Montage: Wir hören es aus der Höhle knurren und fauchen, schnarchen manchmal. Ein sich ausdehnender und zusammenziehender Raum. Bettina Stehli und Anne Käthi Wehrli zwischen einem grossen Stapel Platten, Büchern und Voraufzeichnungen. Sie tragen fantastische Kostüme, wie sie in Performances im Labyrinth-Garten im Zürcher Kasernenareal während der letzten 25 Jahre vorgekommen sind: Aufnahmen vom Jubiläumsfest des Gartens, «einem Ort, wo Frauen gemeinsam öffentlich sind». Unter anderem mit Birge Krondorfer den Differenzen entlang, den alten und den neuen, denen mit und denen ohne Sternchen.
Die Performance, auch midnight talk und Lesbenmagazin, findet auf der Welle, vor allem und auch zu Hause, in der Vorstellung der Zuhörenden statt. Inmitten, anhand von und durch queere und feministische Fragen von Repräsentation und Gegenwart. Laut oder leise, über Kopfhörer, oder so, dass auch die Nachbarinnen etwas davon haben. Mit einem Buch zu Frauenfiguren in urgeschichtlichen Höhlenmalereien auf dem Tisch, und einem zu Mary Daly vom Bücherstand des Fests in der Hand, entsteht nach Musikeinschüben ein Back-to-back, ein improvisiertes Reagieren, ein Gespräch zu Ein- und Ausschreibungen, Geschichte und Fiktion: Frauen, die Urgeschichte auf eine andere Art betreiben, als sie anerkannt ist, stellen die Zeichnungen der Tanzenden der Höhlenmalereien in Göttingen vor. Frauenliebende Frauenpaare waren viele dabei, und natürlich verändere das unsere Vorstellung von Frühgeschichte, wenn wir das wissen. Wie Forscherinnen die darin abgebildeten Posen anhand von Re-enactments nachgestellt haben und dabei tranceähnliche Zustände in ihrem körperlichen Gedächtnis abrufen konnten. In einem gewissen Winkel die Bewegung der Arme angehalten. Lautes Blättern, Suchen nach den Stellen zum Wörterklau im Patriarchat, und einer Piratin auf Beutezug, die zurückschleust. Wer war eigentlich Mary Daly? Akustische Warteschlaufen, mit Trinkgläsern improvisiert. «Eine hat gesagt, Mary Daly sei so aggressiv, das ist jetzt zu wenig rübergekommen.» - Gerade da kommt Sofia Bempeza zu Besuch mit einem Lied, von Fytini zu Ehren von Elsa von Freytag-Loringhoven herausgegeben.


Dokumentation der Midnight Talks und der erwähnten Musiktitel & Bücher bald auf www.midhighttakl.ch. Pandora's Box im Archiv auf www.lora.ch



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Ausgabe 11  2016
Autor/in Romy Rüegger
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