Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
11.2016


Alice Henkes :  Das Kunstmuseum Olten richtet dem Genfer Künstler Rudy ­Decelière seine erste grosse Einzelausstellung in der Deutschschweiz ein. Die formal reduzierten Klanginstallationen erzeugen eine neue, poetische Raumwirkung. Eine Ausstellung, die im buchstäblichen Sinne nachhallt.


Olten : Rudy Decelière - La vie sonore


  
Rudy Decelière · Ces quelques fleurs, 2007, Installation (Efeublätter, Kupferdraht, Magnete, Verstärker und Abspielgerät), Masse variabel, Leihgabe des Künstlers


Rudy Decelière (*1979) ist ein Mann der feinen Klänge. Der in Genf lebende französische Künstler arbeitet mit Klanginstallationen, die visuell meist sehr zurückhaltend daherkommen und dennoch sehr eigene, prägende Raumwirkungen erzeugen können. Ausgangspunkt und Inspirationsquelle ist für ihn «la vie sonore» oder die Klangwelt der Natur. Decelière hört auf Blätter und Grashalme, die sich im Wind wiegen, und auf die Töne, die dabei entstehen. Eine der grössten Arbeiten, die er im Kunstmuseum Olten zeigt, ist deutlich auch visuell von der Natur angeregt: Die Installation ‹Ces quelques fleurs›, 2007, besteht aus 816 Efeublättern, die auf Kupferdraht aufgezogen sind. In gleichmässigen Abständen zueinander angebracht, bedecken sie eine ganze Wand, einem floralen Muster gleich. Der restliche Raum ist leer. Über den Draht leitet Decelière eine Sound-Aufnahme. Das Geräusch von fliessendem Wasser perlt und plätschert uns von der Wand her entgegen. Die Efeublätter dienen dabei als natürliche Lautsprecher, die durch kleine, hinter den Blättern angebrachte Magnete in Schwingung gebracht werden.
Die Verbindung von raffiniert ausgearbeiteter Sound-Technik und Elementen aus der Natur findet sich immer wieder in Decelières Werken. Im Erdgeschoss des Hauses hat der Künstler die fast unsichtbare Arbeit ‹Tant d'attente en si peu de temps, 2016, installiert. Ein feines Geflecht dünner Drähte, die über den Boden gespannt sind, bildet die Basis. Darüber liegen, beinahe schwebend, Magnolienblätter. Die Drähte antworten auf die Struktur des alten Parkettbodens. Ihr metallischer Schimmer spielt mit dem wechselnden Licht im Raum. Und ein feiner Klang steigt von den Drähten und Blättern auf. Aus vielen wohlkomponierten Eindrücken ergibt sich eine besondere Raumstimmung. Und auch in jenen Arbeiten, welche die visuelle Ebene stärker gewichten, spielt der akustische Reiz die Hauptrolle. Unter dem Titel ‹Etendues›, 2015, präsentiert Decelière einen Konzertflügel mit geöffnetem Deckel. Drähte, die mit einem Audioabspielgerät verbunden sind und den Klang von Meereswellen transportieren, berühren die Klaviersaiten und bringen sie zum Schwingen. Meeresrauschen und Saitenklang überlagern und verbinden sich.
Die Ausstellung von Decelières in Olten war bereits für 2014 geplant. Aufgrund eines Budgetreferendums und grosser Sparauflagen musste sie verschoben werden. Glücklicherweise konnte sie nun zwei Jahre später realisiert werden.

Bis: 06.11.2016



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2016
Ausstellungen Rudy Decelière [11.09.16-06.11.16]
Institutionen Kunstmuseum Olten [Olten/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Rudy Decelière
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=161025105401AMM-14
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.