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Besprechung
11.2016


Céline Gaillard :  Das vollumfassend sanierte und erweiterte Zentrum für Gegenwartskunst Nairs kann jetzt ganzjährig genutzt werden. Nach der zweijährigen Umbauzeit holt die Fundaziun Nairs mit ‹Spot On 1 - Vom Schatten ins Licht› im Ort lagernde Geschichten hervor und bricht zugleich in die Zukunft auf.


Scuol/Nairs : Spot On 1 - Vom Schatten ins Licht


  
links: George Steinmann / Ursula Palla · Installationsansicht, Nairs Zentrum für Gegenwartskunst, 2016 ©ProLitteris. Foto: Ralph Hauswirth
rechts: Judith Albert · Stream, 2016, Video, Installationsansicht, Nairs Zentrum für Gegenwartskunst, 2016 ©ProLitteris. Foto: Ralph Hauswirth


‹Achtung Steinbruch›: Auf mit viel Kraft angezogenen Kletterseilen, netzartig über den Köpfen der Ausstellungsbesucher/innen gespannt, liegen zahlreiche Steine aus dem Inn - unbefestigt. Hier wirkende oder drohende Kräfte muss das sich mutig darunter bewegende Publikum unweigerlich erahnen. Der Umgang mit realen Bedrohungen der Umgebung wird in Ralph Hauswirths (*1948) raumgreifender Installation am eigenen Leib spürbar. Die raumstrukturierende Setzung fungiert im Untergeschoss als Auftakt in die Ausstellung, die nach der Wiedereröffnung des Zentrums für Gegenwartskunst Nairs - Kunsthalle, Künstlerhaus, Kulturzentrum - nach zweijährigem Umbau ein neues spezifisches Augenmerk auf den Ort selbst und die Auseinandersetzung mit diesem legt.
Ehemalige Stipendiatinnen und Künstler reagierten erneut auf das historische Badehaus und seine Umgebung - Ralph Hauswirths Stipendienaufenthalt in Nairs ist bereits fünfzehn Jahre her, andere haben neue, ortsspezifische Arbeiten entwickelt. Viele setzten an einer früher vor Ort entstandenen Arbeit an und entwickelten diese weiter. So begann Isabelle Krieg (*1971) 2003 auf Spaziergängen um Nairs Schwemmholz zu sammeln, das ihr seither als Arbeitsmaterial dient (bspw. in Curriculum, 2004). 2016 formt sie diese in artifiziell ummantelte, aber nicht minder leichte, spielerische und hintergründige Ringe schwungvoll um. Die ursprünglich von der Zeichnung und der Bildhauerei herkommende Evelina Cajacob (*1961), die in den letzten Jahren mit Videoarbeiten hervorgetreten ist, kombiniert in einer das Wasser des Inns und die Atmosphäre des Hauses widerspiegelnden Arbeit beide Medien.
Wie immer lässt Roman Signer (*1938) viel Raum für die Vorstellung, jetzt aber mit neuster Technik: Die blauen Farbspuren an der frisch sanierten Decke und die in der Ecke zurückgelassene, mit Rasierpinsel bestückte Drohne erklären von selbst die Aktion, die hier stattgefunden hat. Dass es sich um einen Ort der vertieften Wahrnehmung handelt, wird in Judith Alberts (*1969) Video ‹Stream› vollends evident: Die Gebäudemauer in Richtung des Flusses scheinbar durchbrechend, zeigt das Video die Rückenansicht der Künstlerin, die aus einem geschützten Raum heraus die Welt beobachtend an sich vorbeiziehen lässt; eine verpixelte, schwammige Welt indes, die kaum fassbar ist. Das an die Romantik erinnernde Landschaftsbild erscheint hier eindrücklich zeitgenössisch.

Bis: 15.01.2016



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Ausgabe 11  2016
Ausstellungen Spot On 1 - Vom Schatten ins Licht [27.08.16-15.01.17]
Institutionen NAIRS Zentrum für Gegenwartskunst [Scuol-Nairs/Schweiz]
Autor/in Céline Gaillard
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