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Hinweis
11.2016




Digitale Kunst - Projekt des Monats / Bionymous


von: Raffael Dörig

  
Heather Dewey-Hagborg / Jarad Solomon · The official Bionymous Guide to replace your DNA, 2015


«Ihre Krankenakte würden Sie nicht in der U-Bahn liegenlassen, für alle lesbar», schreibt Heather Dewey-Hagborg, doch aus der DNA, die wir überall liegenlassen, können ähnliche, sensible Informationen zu Erbkrankheiten, Herkunft, Verwandschaftsverhältnissen oder Risiken extrahiert werden. Zunehmend weitet sich das Feld der Überwachung von der Kommunikation zur Biometrie aus. DNA aus Haaren oder Körperflüssigkeiten macht uns identifizierbar und enthält sensible Informationen. Der eindeutigen Identifikation dienen auch Gesichtserkennung, Fingerabdruck- oder Iris-Scans, die dank künstlicher Intelligenz immer genauer werden. Getrackt werden können auch Körpertemperatur, Bewegungsmuster und Ähnliches. Digitale Kommunikation können wir im Extremfall fast gänzlich verweigern. Den Körper werden wir jedoch nicht los.
Doch auch freiwillig begeben wir uns ins Feld der Biometrie, etwa mit DNA-Analysen zur Ahnenforschung, der Quantifizierung der sportlichen Betätigung durch digitale Schrittzähler und Ähnliches (das Stichwort heisst «quantifiziertes Selbst») oder der Markierung von Gesichtern auf Facebook.
Dewey-Hagborg, die sich in ihrem Werk immer wieder mit DNA-Analyse auseinandersetzt, ist Teil einer Gruppe von Künstler/innen, Wissenschaftler/innen und Aktivist/innen, die mit dem Projekt ‹Bionymous› biologische Überwachung beschreiben und diskutieren, das Recht auf ­eine «genetische Privatsphäre» propagieren und Gegenstrategien zum Nachmachen entwickeln. So stehen auf der Bionymous-Website fundierte Texte und Links zu Ressourcen zum Thema ebenso bereit wie Anleitungen zum Verwischen der eigenen DNA-Spuren. Diese Anregung zur Debatte geschieht nicht ohne Witz - beispielsweise in ihrer Reaktion darauf, dass Krankenkassen in den USA bereits Rabatte offerieren für Leute, die viel Sport treiben, dies mittels Fitnessarmband messen und die Daten der Krankenkasse übermitteln. Für diejenigen, die keine Zeit für Sport haben, etwa wegen prekärer Jobs, oder weil sie lieber Computergames spielen oder sich nicht einem Fitness-Diktat unterwerfen wollen, schlagen die Künstler/innen vor, die Bewegungs-Tracker an einem Metronom oder Akkubohrer zu befestigen, oder sie einem Hund umzuschnallen.



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Ausgabe 11  2016
Autor/in Raffael Dörig
Link http://biononymous.me
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