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Hinweis
11.2016




Altdorf : Die Linie im Raum


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Zilla Leutenegger · Drum set, 2009, Video­installation mit 3 Wandzeichnungen, Trommelset, Sockel, Projektion, s/w, Ton, Loop, Ed. 2/3 +1 AP + 1 EP
rechts: Eva Grün · Temporäre Installation, Die Welt da draussen, 2016, Mischtechnik auf Fensterglas, 240x255 cm


Mit Sandra Boeschenstein (*1976, Zürich), Eva Grün (*1975, Wien) und Zilla Leutenegger (*1968, Zürich) lud die Kuratorin Barbara Zürcher drei Künstlerinnen ins Haus für Kunst Uri, die sich alle, je auf ihre Weise, im Medium Zeichnung äussern. Alle drei verstehen Zeichnung in einem erweiterten, die Zwei­dimensionalität, aber auch jede Vordergründigkeit der Aussage sprengenden Sinn. Ebenso wirken alle drei mit ihren Arbeiten installativ auf die Räume ein - durch direktes Bearbeiten der Wand (Boeschenstein) oder eines Fensters (Grün) oder durch raumgreifende multimediale Installationen (Leutenegger). Das führt, zumal auch der Urner Heinrich Danioth (1896-1953) mit einigen formal traditionellen, aber doch überraschend frischen und zugleich hintergründigen Zeichnungen zu Wort kommt, zu einer abwechslungsreichen und atmosphärisch dichten Ausstellung, die dem Publikum inten­sive Seherlebnisse beschert.
Sandra Boeschensteins akribisch genaue Arbeiten sind Bild gewordene Befragungen eines Mediums, das aus der Linie heraus ins Körperhafte aufbricht und dabei auch unter Beizug von Objekten (zum Beispiel Bleistifte) mit Witz und Ironie tiefere Bedeutungen aufblitzen lässt.
Eva Grün arbeitet mit vorgefundenen Materia­lien, alten Architekturplänen für Schulen bspw., deren jeden Zufall ausklammernde Genauigkeit sie mit Symbolen für freie Fantasieausbrüche (u.a. Schmetterlingen) kombiniert. In manchen Blättern lässt sie auch mancherlei Katastrophenwirklichkeiten und Schreckensvisionen erahnen. Dazu kontrastiert eine vertraulich-geheime amtliche Mitteilung, deren Text bis auf einige Buchstaben eingeschwärzt ist und so unlesbar wird. Was wir noch lesen können, ist die simple und zugleich trügerische Zuversicht: «Alles wird gut».
Zilla Leutenegger schliesslich überführt die Zeichnung ins bewegte und von Ton begleitete Bild, das sich in dreidimensionaler Räumlichkeit entfaltet. Ein Beispiel ist ‹Forever can begin›: Auf einem auf die Wand gezeichneten Mies-van-der-Rohe-Sofa sitzt eine ebenfalls gezeichnete, nun in animierter Video-Projektion gezeigte junge Frau (ein Selbstporträt), die sich etwas ungelenk im Cellospiel übt. Daneben bauschen sich in einer nun realen, im Brockenhaus ausgeliehenen Balkontür im Ventilator-Wind weisse Vorhänge. Untermalt wird die thematisch breit aufgefächerte Installation von monotonen Klängen des Cellos. Der Untertitel der Ausstellung «...wenn Untergründiges zur Oberfläche mutiert...» scheint hier wie dort eingelöst.

Bis: 27.11.2016



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Ausgabe 11  2016
Ausstellungen Sandra Boeschenstein, Eva Grün, Zilla Leutenegger [17.09.16-27.11.16]
Video Video
Institutionen Haus für Kunst Uri [Altdorf/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Sandra Boeschenstein
Künstler/in Eva Grün
Künstler/in Zilla Leutenegger
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