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Hinweis
11.2016




Basel : Erin Shirreff


von: Yvonne Ziegler

  
links: Erin Shirreff · Still (no. 5), 2016 Archiv-Pigmentdruck / archival pigment print
rechts: Erin Shirreff · Concrete Buildings, 2013-16, Video Still


Dass Licht und Schatten Körpern magische Anziehungskraft zu verleihen vermögen, kann man anhand einer kleinen Serie von Archiv-Pigmentdrucken der kanadischen Künstlerin Erin Shirreff (*1975, Kelowa) in der Kunsthalle Basel betrachten. Was die fotografierten Objekte eigentlich sind, wird in den feinsinnigen, schwarz-weiss modulierten Bildern nicht klar bzw. tritt hinter einem faszinierenden Spiel von hell hervorgehobenen und im unklaren Dunkel gelassenen Oberflächen zurück. Shirreff hat für die Aufnahmen eigens einfache unbestimmte Körper aus Plastilin geformt, die nur so tun, als seien sie reale Gebrauchsgegenstände wie Flaschen, Vasen oder Becher. Die Künstlerin versteht sich als Bildhauerin. Dinge und deren Beziehung zum Betrachter sieht sie als wesentlich für ihr Œuvre an. Sie interessiert sich für den Unterschied zwischen der unmittelbaren physikalischen Erfahrung eines Objekts im Raum und seiner vermittelten Rezeption durch Fotografie, Film oder Video.
Neben den beschriebenen Pigmentdrucken sind filmische Arbeiten zu sehen. ‹Concrete Buildings›, 2013-16, zeigt auf zwei Screens in HD-Qualität jeweils eine unfertig gebaute Halle mit gewölbtem Dach des Bildhauers Donald Judd. Interessant sind nicht nur die unterschiedlichen Bauzustände der Hallen, sondern auch Shirreffs bildliche Repräsentation. Denn beide Videos zeigen den Filmgegenstand immer aus der gleichen Perspektive, jedoch bei unterschiedlichem Wetter und wechselnden Tageszeiten, sodass er mit abnehmendem Licht verschwindet und sich die Farben je nach Lichtintensität verändern. Im letzten Raum begegnet man schliesslich einem ratternden 16-mm-Filmapparat, der einen kleinformatigen Animationsfilm an die Wand wirft. Mehr noch als bei den bisherigen Werken gibt der Filmgegenstand Rätsel auf. Das Filmbild weist Kratzspuren auf, scheint sich zunehmend mit krisseligem Schnee aufzufüllen, dann bildet sich schemenhaft ein geometrischer Körper ab: eine Nachbildung von Tony Smiths Plastik ‹Amaryllis›.
Shirreffs fotografische und filmische Bezüge zu minimalistischen Körpern und wichtigen Bildhauern unterstreichen ihre künstlerische Aussage, Bildhauerin zu sein. Dabei scheint es ihr sehr um Gestaltwahrnehmung zu gehen und die Erfahrung, dass das Erkennen einer Sache immer ein Prozess ist und zwischen Fotografie, Film, Gegenstandswelt und Betrachter feine Bezüge bestehen.

Bis: 06.11.2016



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Ausgabe 11  2016
Ausstellungen Erin Shirreff [02.09.16-06.11.16]
Institutionen Kunsthalle Basel [Basel/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Erin Shirreff
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