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11.2016




Düsseldorf : Sammlung Dorothee und Konrad Fischer


von: Katja Behrens

  
Wolke & Kristall. Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer · Installationsansicht K 20, Düsseldorf, 2016. Foto: ©Achim Kukulies


Als 1967 der amerikanische Minimal- und Konzeptkünstler Carl Andre bei Konrad Fischer seine erste Ausstellung in Europa eingerichtet hatte, ging ein Raunen durch die Kunstszene. Die Galerie eröffnete mit einer Ausstellung, die das Publikum vor eine Herausforderung stellte, hatte der Künstler doch die Bodenfläche des schmalen Galerieraums in der Neubrückstrasse mit einhundert quadratischen Eisenplatten ausgelegt, einem Viereck von 5 mal 20 Elementen: ‹5x20 Altstadt Rectangle›. Keine Sockel, keine figurativen Objekte, keine Bilder und keine Emotionen. Es war unvermeidbar, dass die Gäste unmittelbar auf die Eisenplatten und damit auf das Kunstwerk traten, die Skulptur wurde eins mit dem Ort und die erste Ausstellung Programm. In den vergangenen Jahrzehnten haben viele namhafte Avantgardekünstler und -künstlerinnen in der Galerie Konrad Fischer ausgestellt, viele von ihnen hatten hier gar ihre erste Schau in ­Europa. Konrad Fischer (1939-1996), damals als Konrad Lueg selbst noch Künstler, und seine jüngst verstorbene Frau Dorothee (1937-2015) haben in ihrer Düsseldorfer Galerie nicht nur avantgardistische Kunst ausgestellt, sondern sie haben auch eine beeindruckende Sammlung zusammengetragen. Der Nachlass, den die Kunstsammlung NRW kürzlich erwerben konnte, gewährt einen Einblick in ein bedeutendes Kapitel der international vernetzten rheinischen Kunst- und Ausstellungsgeschichte und beleuchtet mit originalen Werken sowie mit Fotografien, Zeichnungen, Postkarten und anderen Dokumenten die Künstlerfreundschaften des Sammlerpaars. Kein Wunder, dass man sich freut. Mit gemeinsamer Anstrengung
(7,7 Mio € für die eine Hälfte der Sammlung) und einer überaus grosszügigen Schenkung der Fischer-Erben (die andere Hälfte) ist es nun gelungen, Sammlung und Archiv der Galerie in Düsseldorf zu halten.
Welche Schmach war es, als Ulrike Schmela, Tochter des Galeristen Alfred Schmela (1918-1980), die zweite grosse Galeristensammlung Düsseldorfs nach dem Tod des Vaters an die Getty-Stiftung in Los Angeles verkaufte. Sie wollte sichergehen, dass es nicht einstaube, sondern dass damit gearbeitet würde. Und so betont man auch im K 20 die grossen Chancen für Wissenschaft und Forschung, die sich in der Kunstsammlung nun bieten.
Damals, 1967, waren auf Carl Andres Empfehlung hin immer mehr Künstlerkollegen aus den USA an den Rhein gekommen. In der Ausstellung ‹Wolke und Kristall. Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer› sind sie nun versammelt: Sol LeWitt, Bruce Nauman, Richard Long, Donald Judd, Lawrence Weiner und viele andere, aber auch europäische Künstler/innen wie Hanne Darboven, Daniel Buren, Arte-Povera-Künstler wie Giuseppe Penone oder Mario Merz. Minimal und Concept Art bestimmten das Programm bis weit in die Achtzigerjahre, doch es erweiterte sich auch. Thomas Schütte, Hans-Peter Feldmann, Gregor Schneider und Harald Klingelhöller gehören genauso zum Programm wie Isa Genzken, Paloma Varga Weisz und Reinhard Mucha...
Dorothee und Konrad Fischer jedenfalls haben mit ihrer Galerie am Kanon mitgeschrieben. Ihre Sammlung ist Spiegel einer avantgardistischen mutigen Kunstförderung.

Bis: 08.01.2016



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Ausgabe 11  2016
Ausstellungen Wolke & Kristall. Die Slg. D. und K. Fischer [24.09.16-08.01.17]
Institutionen K20 Kunstsammlung NRW [Düsseldorf/Deutschland]
Autor/in Katja Behrens
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