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Hinweis
11.2016




Rapperswil : Face to face


von: Daniela Hardmeier

  
links: Anina Schenker · Durch den Wind, 2008
rechts: Preeti Chandrakant · ArtBeing No. 10 und No. 22, 2016


Maske und Wesen, aussen und innen - was verrät oder verbirgt ein Gesicht? In der aktuellen Schau der IG Halle sind zwölf künstlerische Positionen vereint, die an dieser Schnittstelle das menschliche Antlitz erkunden. Dabei suggerieren die Werke zwei divergierende Strategien. Zum einen den analytisch-direkten Blick auf die Oberfläche, um so auf das in den Tiefen Verborgene vorzudringen. Zum andern fokussieren sie auf das Imaginäre, schwer Fassbare, das in seiner Flüchtigkeit kaum dingfest gemacht werden kann.
Anina Schenker richtet die Kamera auf das eigene Gesicht und seine Deformationen bis an die Grenze des Erträglichen. Der bewusste Kontrollverlust zeigt die Person in einem ungemein verletzlichen Augenblick. Dies verbindet ihre Arbeiten mit den Fotografien von Urs Lüthi. Auf subtil ironische Weise hinterfragt Lüthi in seinen Maskeraden unsere Sehnsucht nach Selbstverwirklichung, Schönheit oder Liebe. Auch die von Andres Herren bis in den letzten Winkel ausgeleuchteten Porträts der Serie ‹Human Canvas› fordern heraus. Was bewegt Menschen dazu, ihre Gesichter mit tätowierten Zeichen und Symbolen zu übersäen? Frappierend zudem, wie in diesen Köpfen die Präsenz des Blicks übersteigert scheint. Auch Valentin Magaros Masken-Objekte verhandeln einen Aspekt der Deformiertheit. Durch die scharfkantige Faltung der Fotoporträts blicken uns nicht mehr Gesichter, sondern vielmehr Fratzen des Menschlichen entgegen.
Die IG Halle wartet in der Ausstellung zudem mit einer neuen Form von Kunstwerk auf, den sog. ‹ArtBeings› von Preeti Chandrakant. Das Schaffen von Begegnungen und Interaktionen steht im Fokus dieser Künstlerin. In interaktiven Happenings formt sie Menschen, die als lebende Skulpturen mit den Besucher/innen interagieren und - ihr Einverständnis vorausgesetzt - auch gekauft werden können. Subtil und radikal erweitert Chandrakant den Skulptur­begriff und nimmt einen Diskurs in der Kunst auf, der weg vom Materiellen des Objekts hin zur Immaterialität der Interaktion zielt.
Überzeugen diese Positionen durch ihre konzeptuelle und bildliche Stringenz und ihre Bezüge untereinander, so vermag sich diese Dichte in anderen Teilen der Ausstellung nicht in gleichem Mass einzustellen. Das Thema ist weit gefasst, jedem Kunstschaffenden wird viel Raum gelassen. Was den einzelnen Werken zugutekommt, lässt das Thema der Ausstellung als Ganzes stellenweise diffus werden.

Bis: 06.11.2016



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Ausgabe 11  2016
Ausstellungen Face To Face [21.08.16-06.11.16]
Institutionen Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Daniela Hardmeier
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