Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
11.2016




Winterthur : Kurzfilmtage Winterthur


  
links: Helene Garberg · Ernesto and the Witches of Naica, 2014
rechts: Melanie Bonajo · Night Soil - Fake Paradise, 2015


Die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur feiern dieses Jahr ihr 20-Jahr-­Jubiläum und warten mit einem ansprechenden Programm auf. Der Fokus liegt auf den nördlich gelegenen Ländern, Fragen nach deren aktueller gesellschaftlicher und filmischer Anziehungskraft werden gestellt. Erwies sich beispielsweise Dänemark mit seiner Dogma95-Bewegung und deren Manifest bahnbrechend für die Erneuerung des Films.
Im Programm ‹Night: Vision› werden zeitgenössische Filmemacher ins Licht gerückt, die aus der bildenden Kunst stammen und sich in Grenzbereichen aufhalten. Die Kunstschaffende als Ethnografin wird im Kurzfilm ‹Ernesto and the Witches of Naica› der Dänin Helene Garberg thematisiert. Dabei wird man ­Zeuge einer weiblichen Forschungsperspektive spekulativer Art. Man begibt sich auf eine Reise in die Minenstadt Naica, inmitten der mexikanischen Wüste. Obwohl in dieser Region das Paganentum der vorherrschende Kultus ist, begegnet man dem pensionierten Minenarbeiter Ernesto, der im Bergwerk Versammlungsplätze von Hexen, die er nie gesehen hat, aufspürt. Nicht nur reale, sondern auch seelische Landschaften tun sich auf und Ernestos Abneigung gegen Frauen allgemein bricht hervor. Nicht zufällig wird das Thema von einer Künstlerin aus Nordeuropa dargestellt, das für die Gleichberechtigung vorbildlich einsteht, während die visuell-formale Sprache das Dokumentarische bereichert.
Zwei weitere Programme unter dem Titel ‹Postinternet I und II› widmen sich unserem inzwischen normal gewordenen Verhältnis zum Internet unter dem Aspekt der Beeinflussung unserer Identität und des filmischen Kunstschaffens. Die Post-Internet-Kunst bezeugt den Wandel der Bilder, deren Verfügbarkeiten und Anwendungen. So reflektieren Künstler/innen zeitgenössische Kunstpraktiken in beiden Teilen und über diverse Medien. Sie spielen mit dem Bedeutungswandel von Online-Videos in ihrem Filmmaterial, loten Webinhalte und den Umgang mit Elektroschrott aus oder stellen sich gar einer philosophischen Kulturdebatte. Das Video ‹Night Soil - Fake Paradise› der niederländischen Künstlerin Melanie Bonajo umkreist die traditionsreiche Frage, wie wir wieder naturnaher leben und für eine intakte Gesellschaft einstehen können. Die Stimme der Künstlerin aus dem Off unterstreicht ohne Belehrung die experimentelle Dokumentation, die mit konstruierten Szenen aus nicht zusammenpassenden Elementen die Absurdität unserer hochtechnisierten Gesellschaft im Zeitalter der Digitalisierung spiegelt.

Bis: 13.11.2016


Videos zum Thema Post-Internet, eine Auswahl zu sehen im Rahmen von Situations/Filter, Fotomuseum



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2016
Link http://www.kurzfilmtage.ch
Link http://situations.fotomuseum.ch
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=161025114611HAO-36
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.