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Hinweis
11.2016




Zürich : Thinking in Algorithms


von: Mathis Neuhaus

  
links: Heather Dewey-Hagborg (links), Susan Morris (rechts) · Installationsansicht Scheublein + Bak, Zürich, 2016
rechts: Gottfried Jäger · Wall Object after Mosaic 110994, 4, 1994. Ten Pinhole Structures, D 3.1-3.9, 1967/1994. Pinhole Structures und Cybernetic Alfabet, 1994, Installationsansicht Scheublein + Bak Zürich, 2016 ©ProLitteris


Im den herrschaftlichen Räumlichkeiten des Schlosses Sihlberg gilt es derzeit Rätsel zu lösen. In der Beletage versammelt die Ausstellung ‹Thinking in Algorithms› bei Scheublein + Bak 13 sowohl historische als auch zeitgenössische fotografische Positionen. Die gezeigten Arbeiten eint der technologische Zugang: Sie basieren auf Algorithmen, wurzeln im Digitalen oder gelten als Vorreiter der Computerkunst. In allen Werken werden Situationen oder Sujets codiert, in eine neue Bildsprache und Form überführt und dann, kommentarlos, zur Interpretation freigegeben. Das ist konzeptuell in der Anlage, changiert zwischen abstrakt und konkret und wird zusätzlich noch durch den digitalen Fleischwolf gedreht: viele Ebenen und Zeichen also, die es zu entschlüsseln gilt. Zeigt die Fotografie gemeinhin und vermeintlich, was ist, so verweigert sich die Ausstellung im Schloss Sihlberg dieser Definition. Fotografie findet hier dekonstruiert statt, als immer wieder neu ausgehandelter ästhetischer Zustand, der sich in keine einheitliche Form giessen lässt: Die Künstlerin Heather Dewey-Hagborg (*1982) präsentiert ein mit Hilfe eines 3D-Druckers hergestelltes, anonymes Porträt, das sie aus der DNA gefundener Materialien wie Kaugummi oder Haar rekonstruiert. Von Philipp Goldbach (*1978) werden ROM-Platinen gezeigt, die der Künstler in mühevoller Kleinarbeit mit im ASCII-Code verschlüsselten philosophischen Textpassagen versehen hat. Diese zeitgenössischen Positionen werden mit Pionierwerken der Computerkunst konfrontiert, in denen sich das wissenschaftliche Potenzial der Kunst manifestiert. Künstler, wie Heinrich Heidersberger (1906-2006) oder Hans Jenny (1904-1972) bauten Apparate, meldeten Patente auf ihre Maschinen an und loteten die Grenzen des fotografischen Vokabulars neu aus, gingen bisweilen in der Kunstproduktion vor wie Forscher im Labor. Zu sehen sind unter anderem Lichtbilder oder Fotografien von Lycopodiumpulver, das bestimmten Soundwellen ausgesetzt wurde und so seine Spuren hinterlässt.
Die Fotografie zeigt sich im Schloss Sihlberg mannigfaltig. Ihr Potenzial wird in jeder Arbeit neu verhandelt und lotet - einmal mehr - die Möglichkeiten des Mediums aus: Fotografie als universale Sprache der (Selbst-)Erforschung.

Bis: 25.11.2016



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Ausgabe 11  2016
Ausstellungen Thinking in Algorithms [22.09.16-25.11.16]
Institutionen Scheublein + Bak [Zürich/Schweiz]
Autor/in Mathis Neuhaus
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