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Editorial
12.2016




Kunst ist immer subversiv


  
TITELBILD · Martina-Sofie Wildberger · Speak Up!, 2016, Performance mit Tobias Bienz, Denise Hasler, Tanja Turpeinen, sic! Raum für Kunst, Luzern. Foto: Dominik Zietlow


Der Schock sitzt tief: Der Einzug eines Demagogen, Volksverhetzers und Leugners der globalen Erwärmung ins Weisse Haus ist ­besiegelt. Gewonnen hat er die Wahl dank denjenigen, die er mit medialem Getöse an die Urnen trieb, obwohl sie sonst für politische Themen kaum zu mobilisieren sind. Doch genau diese Mittel, die ihm zum Sieg verholfen haben, stehen konträr zu den Werten, die im Kulturbereich gepflegt werden. Statt auf die Macht von Parolen setzt die Kunst auf Differenzierung, statt auf plakative Verein­fachungen auf Komplexität, statt auf Einstimmigkeit auf Pluralität. Dieses feingestrickte diskursive Geflecht ist für eine Zivilgesellschaft existenziell. Und hält nur, solange wir immer wieder neu das Gespräch suchen, aufeinander zugehen und uns gleichzeitig so weit zurücknehmen, dass auch das Gegenüber seinen Raum behält. Die aktuelle Kunstbulletin-Ausgabe versammelt diverse Positionen, die für solche Formen der Selbstermächtigung, des Debattierens und des Zurückweichens anschauliche Beispiele liefern. So Martina-Sofie Wildberger mit ihren Performances oder Laure Prouvost und Loredana Sperini mit ihren installativen Setzungen.
Künstlerisch Auftritte wie diese sind subversiv. In ihrer Vielstimmigkeit unterminieren und relativieren sie jede Form von ­Autokratie. Für ein ebenso vielschichtiges Echo sorgen Medien wie das Kunstbulletin. Doch dieser Echoraum lässt sich nur im Kollektiv bespielen - unterstützt von Kunstinteressierten wie Ihnen. Mit ­Ihren Abos und Anzeigen stärken sie uns in einem schwierigen ­Medienumfeld den Rücken und halten zugleich ein weitgespanntes journalistisches Netzwerk am Leben. Dafür sei Ihnen herzlich gedankt! Und gemeinsam wagen wir Neues: Parallel zum Kunstbulletin betreiben wir ab sofort die Online-Plattform artlog.net. Denn wie heisst es doch: Nichts ist beständiger als der Wandel. Claudia Jolles



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Ausgabe 12  2016
Autor/in Claudia Jolles
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