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Besprechung
12.2016


Dominique von Burg :  Christian Herdeg ist ein Zauberer des künstlichen Lichts. Die Lichtobjekte und seine Kunst-und-Bau-Werke laden Räume mit ihrem Licht- und Farbenspiel auratisch und atmosphärisch auf. Die retrospektiv angelegte Einzelausstellung bietet eine fundierte Übersicht über sein Schaffen und Forschen seit 1969.


Zürich : Christian Herdeg - Lyrical Minimalism


  
Christian Herdeg · Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2016. Foto: Stefan Altenburger


Was kann in diesen düsteren Tagen mehr Vergnügen bereiten, als einen von Christian Herdeg (*1942, Zürich) illuminierten Raum zu betreten und in ein verführerisches Farb- und Lichtbad zu tauchen. Selten erlebt man eine so sinnliche Form von konkreter Kunst und Minimal Art. Doch hinter dem Wellnesseffekt steckt ein ausgeklügeltes System, das sich ständig ausweitet und differenziert. Ausgehend von einem konsequenten Vokabular von geometrischen Formen betreibt Herdeg - phasenweise in Auseinandersetzung mit Dan Flavin, Keith Sonnier und Stephen Antonakos - ein zunehmend komplexes Spiel zwischen Lichtstrahlung und Flächenwirkung. Zunächst manipuliert er künstliches Licht mit Argon- und Neonlichtröhren, die je nach Fabrikat eine Blau- oder Rot-Entladung zeigen. Monochrome Farbflächen lässt der Künstler mit Licht interagieren. So studiert er die formgebende Kraft des Lichts und seine malerische Qualität, sein Absorptions- und Emanationspotenzial, und ergründet, wie das Licht Raum einnimmt. Mit Chemikern der Leuchtstoffwerke Heidelberg entwickelte Herdeg rund 300 Farbnuancierungen für Leuchtstoffröhren, darunter verschiedene Weisstöne. Die skulpturalen und reliefartigen Lichtobjekte erfordern ein profundes handwerkliches Geschick, ist doch jede Lichtröhre von Hand gefertigt.
Der ausgedehnte Parcours, bestückt mit verwirrenden Wahrnehmungsspielen, verblüfft und vereinnahmt das Publikum. Er führt von den narrativen Post-Pop-Gebilden, wie ‹Red Explosion›, 1971, den Werkzyklen mit Objekten von geometrisch reduziertem Vokabular, wie ‹Boundless II›, 1975, über die Farblichtfelder mit zwei hintereinander montierten, verschiedenfarbigen Leuchtstoffröhren zu Arbeiten mit Gegensätzen, wie ‹Small Square›, 2005. Mit den seit 2005 entstehenden ‹Discs›, kreisrunden einfarbigen Platten mit einem leuchtenden Loch in der Mitte, lässt Herdeg das Licht selbst sich flächig ausdehnen und die massive Scheibe entmaterialisieren.
Geradezu fantastisch nehmen sich die ‹Blacklights› aus. In ‹Magic Circle meets Square›, 2012, sind Schwarzlichtröhren, ein Quadrat bildend, einer blau fluoreszierenden Kreisfläche vorgelagert. Diese reflektiert die Lichtstrahlung des für uns unsichtbaren UV-Lichts, sodass das Licht bald als malerische Fläche, bald als Höhlung in Erscheinung tritt. Die Arbeit wirkt wie eine Synthese von Herdegs Schaffen zwischen wissenschaftlicher Materialrecherche und unergründlichem Leuchten.

Bis: 15.01.2017



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Ausgabe 12  2016
Ausstellungen Nairy Baghramian, Christian Herdeg, Bernd Ribbeck [27.10.16-15.01.17]
Video Video
Institutionen Museum Haus Konstruktiv [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Bernd Ribbeck
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