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Besprechung
12.2016


Stefanie Manthey :  Amerikanische Kunst wird im Kunstmuseum Basel seit den späten Fünfzigerjahren engagiert gezeigt und gesammelt. Vermittlung und internationale Forschung arrondieren die Rezeption. Die aktuelle, von Nina Zimmer kuratierte Pollock-Ausstellung fügt sich passgenau in diese Traditionslinie und schreibt sie pointiert in die Zukunft fort.


Basel : Der figurative Pollock - Energetische Retrospektive


  
Jackson Pollock · Totem Lesson 1, Collection of Harry W. and Mary Margaret Anderson ©ProLitteris. Foto: Lee Fatheree


Die Kunsthalle Basel zeigte 1958 eine fulminante Auswahl von Pollocks Gemälden, 1966 machte der damalige Direktor Franz Meyer einen Vorstoss für den Ankauf der ‹Number 7A› von 1948 - ein «Dripping» aus dem Privatbesitz Herbert Matters. Doch die Gelegenheit blieb ungenutzt. Die aktuelle Schau schreibt die haus­eigene Rezeption amerikanischer Kunst im Wissen um diese Lücke fort und richtet den Fokus darauf, wie sich Pollock (1912-1956) über drei Jahrzehnte mit dem Phänomen der Figuration auseinandersetzte. Knapp über hundert Arbeiten auf Papier und Leinwand werden chronologisch im zweiten Obergeschoss des Neubaus gezeigt, inklusive Black Box für das Screening des Pollock-Films mit Ed Harris. Bezugsgrössen sind zwei zentrale Orte in der Vita des jung verstorbenen Künstlers: New York, wo er nach dem Studium an der Art Students League bis Ende 1945 vornehmlich lebte, und East Hampton (Long Island), wohin er mit seiner Partnerin Lee Krasner zog.
Das erste Raumgeviert rekonstruiert, wie sich Pollock Motivrepertoires aneignet und durcharbeitet: Altmeister, amerikanischer Regionalismus, mexikanische Muralisten, Jahrhundertfigur Picasso mit ‹Guernica› als epochemachendem Antikriegsgemälde, Miro, Symbole, Narrative und Rituale der Native Americans. Als Basis eine Haltung gegenüber dem Unbewussten als kreativer Urenergie, die in den Vierzigerjahren Konjunktur hatte. Pollock machte sie verstärkt durch Psychoanalyse jungianischer Prägung künstlerisch fruchtbar. Seine Resultate erregten das Interesse Peggy Guggenheims. In ihrer Programmgalerie ‹Art of the Century› wurden Werke wie ‹Guardians of the Secret› und ‹Stenographic Figure› erstmals gezeigt. Nach diesem Debüt trieb Pollock das Projekt Malerei von East Hampton aus weiter - mit schwarzer Lackfarbe, erweiterter Farbpalette, Malgründen wie ungebleichter Baumwolle, handgeschöpften Papieren, Techniken der Verschleierung und Übermalung und der Chuzpe, Figuren zu drippen und aus Drippings herauszuschneiden. Von der werkgewordenen Verve dieses Ansatzes ist der zweite Quadrant erfüllt. «I think if you took a cross-section of all world art, you would get Pollock.» (Lee Krasner). Die Nahtstellen sind freigelegt und eine kritische Rekontextualisierung vorgespurt.

Bis: 22.01.2017


Katalog mit Beiträgen von Michael Leja, Stefan Neuner, Markus Klammer; Workshop The Figurative Pollock, 20. Januar 2017 - 14.00 – 19.00 Uhr (eikones Forum) https://eikones.ch/nc/veranstaltungen/detail



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Ausgabe 12  2016
Ausstellungen Der Figurative Pollock [02.10.16-22.01.17]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Neubau [Basel/Schweiz]
Autor/in Stefanie Manthey
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