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12.2016




Düsseldorf : Hinter dem Vorhang


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Raphaelle Peale · Venus Rising from the Sea - A Deception, um 1822, Öl auf Leinwand, 74x61,3 cm, The Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City, Missouri. Foto: Jamison Miller
rechts: Christo · Wrapped Beetle 1963 (­Objekt 2014), 1963/2014, Auto, Stoff, Seile, 150x158,5x414 cm. Foto: Wolfgang Volz


Der Kirchenfürst Filippo Archinto sitzt, nach rechts gewandt, im Sessel. Seine rechte Hälfte verdeckt ein halbtransparenter Schleier. Das rätselhafte, mit hoher Meisterschaft 1558 von Tizian gemalte Bildnis befindet sich im Philadelphia Museum of Art und ist hierzulande kaum bekannt. Es ist jedoch ein Prunkstück in der an geheimnisvollen Meisterwerken fast überreichen Ausstellung ‹Hinter dem Vorhang - Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance - Von Tizian bis ­Christo› im Museum Kunstpalast Düsseldorf. Das «Abschiedsprojekt», so Beat Wismer, früher Direktor des Kunsthauses Aarau, seit 2007 und noch bis Ende 2017 Generaldirektor in Düsseldorf und zusammen mit Claudia Blümle von der Humboldt-Universtität Berlin Kurator der Schau, sei ein «Bild-Essay über Grundfragen der Malerei und der Kunst, aber auch zu darüber hinausgehenden Themen des Sehens, des Erkennens und der augenlustigen Neugier». ‹Hinter dem Vorhang› ist ein Grossunternehmen nicht nur, was die rund 150 meist höchst bedeutenden Künstler und die Leihgeber aus Ost und West betrifft, sondern vor allem in Bezug auf ein sich vielfältig verästelndes, in alle möglichen Richtungen auch der Kunsttheorie und der Motivgeschichte ausuferndes und letztlich unergründliches Thema, das zu mancherlei spannenden Gedankenspielen Anlass gibt. Es geht da nicht nur um delikateste Malerei, sondern, quer durch die ganze Kunstgeschichte, um das Aufreissen und Verschliessen von Räumen, um Verbergen und Offenlegen, um die Teilhabe der Betrachter am Bildgeschehen oder um deren Ausschluss, um überraschende inhaltliche Verknüpfungen philosophischer, erkenntnistheoretischer und psychologischer Art. Wismer schliesst damit an seine früheren Düsseldorfer Projekte wie ‹Zerbrechliche Schönheit - Glas im Blick der Kunst› oder ‹Diana und Actäon - Der verbotene Blick auf die Nacktheit› an und wartet wie schon in der Schau ‹El Greco und die Moderne› auch mit Sensationen auf. Beispiele unter sehr vielen: ‹Venus Rising from the Sea›, 1822, von Raphaelle Peale, der die Göttin so hinter einem virtuos gemalten Tuch verbirgt, dass man nur einen Fuss und eine Hand sieht, Adam Elsheimers kaum ausserhalb von Aspley House in Londons gezeigtes Werk ‹Judith enthauptet Holofernes›, 1601, oder Lucian Freuds ‹Naked Man on Bed›, 1989: Der Mann hält sich die Linke vor die Augen, als schäme er sich seiner schonungslos gezeigten Nacktheit. Schön, dass Beat Wismer auch einige in Deutschland wenig bekannte Schweizer Beispiele zur Diskussion stellt - zum Beispiel von Hans Fries, Liotard, Ernst Maas, Niklaus Stoeckli, Hugo Suter, Marc Antoine Feer, Eric Hattan, Thomas Huber, Eve­lina Cajacob.

Bis: 22.01.2017



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Ausgabe 12  2016
Ausstellungen Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance [01.10.16-22.01.17]
Institutionen Museum Kunstpalast [Düsseldorf/Deutschland]
Autor/in Niklaus Oberholzer
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