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12.2016




Neuchâtel : Bye, bye la compagnie


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: RELAX · Kässeli, 2016, Ausstellungsansicht CAN, Neuchâtel. Foto: A. Satus
rechts: Sacha Béraud · Performance, 2016, Ausstellungsansicht CAN, Neuchâtel. Foto: A. Satus


Das Thema Arbeit-Salär-Status-Sinn liegt in der Luft. Die Manifesta unter dem Motto ‹What people do for money› in Zürich war nur eine unter vielen diesem Thema gewidmeten Ausstellungen. Setzte der Künstler Christian Jankowski dabei jedoch rund drei Dutzend seiner Kollegen/innen auf ebenso viele Berufsleute an, waren die Veranstalter gegenüber der öko-sozio-kulturellen Realität des eigenen Personals blind. Dass die subalternen Arbeitskräfte sehr dürftig entlohnt wurden, wenn überhaupt, obschon von diesen oft besondere physisch-mentale Investitionen erwartet wurden, kam erst kurz vor der Eröffnung ans Licht.
Das Centre d'art Neuchâtel/CAN setzt in seiner Schau ‹Bye, bye la compagnie› indes genau hier den Hebel an. Von langer Hand vorbereitet, nimmt es seine Deplatzierung von den zurzeit renovierten Fabrikhallen in Büroräume zum Anlass, um zusammen mit befreundeten Künstlern/innen sein eigenes Funktionieren unter die Lupe zu nehmen. Das seit 2008 für die Kunsthalle verantwortliche Team hat zwar die Hierarchien aufgehoben. Sich an kollektiven Werten orientierend, sind alle seine permanenten Mitarbeiter/innen bis zum Schlüssel für die geringen Löhne gleichgestellt, und gemeinsam werden nicht nur die künstlerischen Entscheidungen gefällt, sondern auch die nichtkünstlerischen Aufgaben erledigt. In den letzten Jahren, die ihm stets mehr Zuwendungen sicherten, hat das CAN aber eher seine Aktivitäten vermehrt, statt für das Team landläufig bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Es fragt sich deshalb nun, ob es bei dieser Opferung von Stabilität zugunsten von künstlerischer Aussenwirkung, die es ursprünglich als Resistenz gegenüber einer Verbeamtung verstand und so die berufliche und private Existenz bis zur Unkenntlichkeit verwischte, unterbewusst nicht post-fordistischer Ideologie aufgesessen ist, wie sie aus soziologischem Blickpunkt für die Figur des/r modernen Künstlers/in heute als zentral erachtet wird.
Wie weit sich deshalb das CAN wie ein Grossteil der Erstproduzenten der Kunstwelt unfreiwillig zu einem Laboratorium des Neoliberalismus gewandelt hat, fragen zunächst Objekte. Das Plakat ‹I buy time› erinnert dabei noch deutlich an die sprechenden Gemälde von Remy Zaugg. Wie das Kässeli des Duos Relax beim Eingang sind die meisten davon indes nur noch unsicher als Kunstwerke sicht- und lesbar. Wichtiger sind in dieser Ausstellungen denn auch Performances, Konzerte und Gespräche, wenn nicht durch die Verpflichtung des Künstlers Bruno Botella, die Buchhaltung zu übernehmen, das Leiden und Leben der ganzen Kunsthalle zurzeit zu einer Performance geraten ist.

Bis: 15.12.2016


bei Besuchen zwischen den Veranstaltungen Anmeldung empfohlen, Publikation in Vorbereitung



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Ausgabe 12  2016
Ausstellungen Bye-bye la compagnie [15.10.16-15.12.16]
Institutionen CAN Centre d'Art [Neuchâtel/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
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