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12.2016




Schaffhausen : Velimir Ilišević


von: Lucia Angela Cavegn

  
Velimir Ilišević · Mutterbild, Gartengeräte - Erde, 2003, Öl auf Leinwand, 150x300 cm, zweiteilig


Velimir Ilišević (*1965, Kroa­tien) wuchs in Prijedor, Bosnien-Herzegowina auf und lebte ab 1986 in Novi Sad, Serbien. Noch bevor im ehemaligen Jugoslawien die Zeichen auf Krieg standen, siedelte er in die Nordschweiz über, wo er an verschiedenen Orten wohnte: in Ramsen, in der Stadt Schaffhausen, auf der gegenüberliegenden, züricherischen Rheinseite in Langwiesen und seit 2007 in Stein am Rhein. Entscheidenden Einfluss auf die künstlerische Laufbahn von Ilišević hatte der in Ramsen lebende Maler Josef Gnädinger (1919-2000), der ihm als Mentor das geistige und technische Rüstzeug vermittelte, um als autodidaktischer, freischaffender Künstler zu bestehen.
Vielleicht hat die Erfahrung, dass sich Lebensumstände verändern, Ilišević darin bestärkt, sich durch Kunst in der Welt zu verorten und eine eigene Sprache zu kreieren. Die aktuelle Ausstellung im Museum zu Allerheiligen mit über hundert Gemälden und zahlreichen Zeichnungen und Skizzenbüchern verdeutlicht, wie sehr Ilišević in der Malerei beheimatet ist. Dabei hat er sich stets mit «einfachen» Dingen auseinandergesetzt. Die von Matthias Fischer (Kurator Kunst- und Grafiksammlung) konzipierte Schau ist in drei Teile unterteilt. Im hohen Wechselsaal hängen elf Arbeiten aus der neusten, monumentalen Werkserie ­‹Hodlers Spiel›, 2013-2015, - das Ergebnis einer fruchtbaren Auseinandersetzung mit ­Hodlers berühmten ‹Holzfäller›. Iliševićverquickt das Martialische von Hodlers Bildsprache mit dem Substrat der eigenen Lebenserfahrung. Die männliche Bildfigur wird meist weggelassen oder durch das Motiv des Helms ersetzt. Die Axt mutiert zum dominanten Zeichen der Gewalt; die Baumstrünke zu Opfern, Zeichen von Verletzlichkeit/Verletzung. Verkappte Anspielungen findet man auch in frühen Arbeiten wie der ‹Tränke› in Busenform, die im Videosaal präsentiert werden.
Es scheint, als besitze für Ilišević jeder Gegenstand eine hintergründige Mehrdeutigkeit und Emotionalität. Im Oberlichtsaal hängen imposante Grossformate aus den Serien ‹Fluss­entlang›, 2011, und ‹Nie mehr mehr›, 2016, die durch fragmentarische Narration und einen pastosen Farbauftrag geprägt sind. Mit den überbreiten Werken ‹Vaterbild› und ‹Mutterbild› erweist der naturverbundene Künstler nicht nur seinen Eltern, sondern ebenso den Elementen Wasser und Erde die Ehre.
Zur Ausstellung erschien eine von Guido Widmer exquisit gestaltete Monografie mit Beiträgen von Matthias Fischer und Kathleen Bühler sowie einer Fotostrecke von Goran Potkonjak.

Bis: 12.12.2016



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Ausgabe 12  2016
Ausstellungen Velimir Ilisevic [24.09.16-12.02.17]
Video Video
Institutionen Museum zu Allerheiligen [Schaffhausen/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
Künstler/in Velimir Ilisevic
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