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Hinweis
12.2016




Wohlen : Kreissäge und Spreuerschwarm


von: Thomas Schlup

  
links: Bauernstube im Dachstock, Ausstellungs­ansicht Stroh­museum, Wohlen, 2016. Foto: Felix Wey
rechts: Frisch geflochten, Ausstellungsansicht Strohmuseum, Wohlen, 2016


Strohhalme von Roggen und Weizen - aus diesem bescheidenen Rohstoff entstand im Aargauer Freiamt eine hoch entwickelte Strohhutindustrie, die fein geflochtene Produkte in alle Welt exportierte. Von den Anfängen in einfachen Bauernstuben bis zu den grossen Modeschauen in den Metropolen zeichnet das Strohmuseum die Geschichte dieses Wirtschaftszweigs bis zu dessen Verschwinden in einer stimmig konzipierten Ausstellung auf.
Stroh war im ländlichen Freiamt in grossen Mengen vorhanden, liess sich fast ohne Infrastruktur verarbeiten und war abgesehen von allfälligem Staub ein sauberer Rohstoff. Ein Hut liess sich aus ganzen Halmen, «Röhrli», binden und hiess dann «Röhrlihut»; besser bekannt als «Kreissäge» oder «Butterblume». Der korrekte Name ist «Canotier», wie ihn Renoir in ‹Le déjeuner des canotiers› 1881 verewigte. Andere Hüte werden aus den «aufgerissenen» und gepressten, «geplätteten» Halmen geflochten. Dunkle Roggenhalme wurden in Bleichkisten mit Schwefel aufgehellt.
Früher gehörte ein Hut dazu, niemand ging ohne ihn aus dem Haus. Noch 1954 schrieb die ‹Annabelle› von «grossen, flachen Hüten in diesem Sommer», die vorzüglich die bei Balmain gesehenen Tweed-Tailleurs ergänzten. Selbst in den Swinging Sixties zierten schöne Kopfbe­deckungen schöne Köpfe schöner Mannequins. Dennoch verschwanden die reinen Hutgeschäfte und auch die Modistinnen. Der Hut wurde zum verzichtbaren Accessoire.
Die in einer stilechten ehemaligen Fabrikantenvilla mit schönem Park beheimatete Kulturperle verfügt über eine einzigartige Sammlung an Werkzeugen und Arbeitsmustern, sogenannten Garnituren und Bordüren. Im Treppenhaus läuft ein Paternoster aus einer früheren Ausstellung im Stapferhaus mit Mustern von Stroharbeiten, umschwebt von Monika Kürtis' ‹Spreuerschwarm›.
Vor zwei Jahren lancierte das Museum den Designwettbewerb ‹Prix Paille› und liess die Teilnehmenden in seinem Fundus stöbern. Gut fünfzig Projekte wurden eingereicht, von denen zwölf in der Sonderausstellung ‹Frisch geflochten› präsentiert werden, die einen eigenen Raum im Erdgeschoss einnimmt. Dort befindet sich auch die im ehemaligen Frühstückszimmer eingerichtete kleine Cafeteria. Eine Auswahl an Büchern kann im Shop gekauft werden, darunter das Referenzwerk ‹Strohzeiten›, eine Wiederauflage von 2013 im AT-Verlag.

Bis: 29.01.2017



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Ausgabe 12  2016
Ausstellungen frisch geflochten [12.06.15-29.01.17]
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Institutionen Strohmuseum im Park [Wohlen/Schweiz]
Autor/in Thomas Schlup
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