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Besprechung
1/2.2017


Cynthia Krell :  Wie sähe eine Welt der nicht-menschlichen Akteure aus? Mit vorwiegend medienbasierten Arbeiten entwerfen Künstler/innen im Hartware MedienKunstVerein eine mögliche Zukunft und Ökologie nach dem Menschen - Szenarien im Zeitalter des Post-Anthropozäns.


Dortmund : Die Welt Ohne Uns - Im Zeitalter der nicht-menschlichen Akteure


  
links: Wanuri Kahiu · Pumzi, 2009, Videostill ©Mark Wessels, Courtesy HMKV im Dortmunder U
rechts: Eva und Franco Mattes · Dark Content, 2015, Screenshot, Courtesy HMKV im Dortmunder U


Der Titel der Gruppenschau ‹Die Welt Ohne Uns› verfolgt nicht die Thematik des gleichnamigen Bestsellers von Alan Weisman von 2007. Darin geht der ­Autor der Frage nach, was auf der Erde passieren würde, wenn alle Menschen plötzlich verschwänden. Kuratorin Inke Arns erlaubt sich ein anderes, aber ebenso wagemutiges und aktuelles Gedankenspiel: Wie sähe eine Welt der nicht-menschlichen Akteure aus, in der «Menschen von Maschinen ersetzt» würden? Natürlich gibt auch die zeitgenössische (Medien-)Kunst keine eindeutigen Antworten, dafür aber begegnet man einer zugleich verstörenden wie faszinierenden Welt.
Zu den nicht-menschlichen Akteuren gehört die künstliche Intelligenz, die den Ausgangspunkt für Mark Leckey bildet. Im Video ‹GreenScreen - RefrigeratorAction›, 2016, übernimmt ein intelligenter Kühlschrank die Hauptrolle. In einem urkomischen Monolog spricht er nicht nur über seine technischen Funktionsweisen und Qualitäten, sondern zitiert auch Marcel Duchamp oder Sätze aus dem heiligen Buch der ­Maya. Mit dem sogenannten Internet der Dinge ist die Zukunft bereits greifbar. ­Einen Fokus auf die Gegenwart erzwingt die dreiteilige Videoarbeit ‹Dark Content›, seit 2015, von Eva und Franco Mattes. Das Künstlerpaar hat mit sogenannten Content-Moderatoren Interviews geführt, die im Auftrag von Unternehmen anstössige Inhalte von Internetplattformen bereinigen. Dabei werden die damit verbundenen ideologischen Mechanismen, aber auch politische und ökonomische Interessen deutlich, die eine menschliche Manipulation im Widerstreit mit Algorithmen notwendig machen. Ein kritisches und fast utopisches Szenario entwerfen die Künstler/innen Morehshin Allahyari und Daniel Rourke mit ihrem Manifest ‹The 3D Additivist Manifesto› und der gleichnamigen Videoarbeit von 2015. Unter dem Kampfbegriff #Additivism erklären sie den 3D-Druck zu einer allumfassenden Metapher unserer Zeit. Menschen, die sich mit nicht-menschlichen Akteuren arrangieren müssen, werden auch im afrofuturistischen Kurzfilm ‹Pumzi›, 2009, von Wanuri Kahiu thematisiert. Eine Wissenschaftlerin macht sich auf, den im Labor entdeckten letzten noch lebenden Baum zu pflanzen. Pflanzen tauchen verteilt über die gesamte Etage auf, darunter lebende Steine oder fleischfressende Pflanzen, die aus einer vormenschlichen Zeit stammen. Trotz der vielen Videominuten und einem damit einhergehenden Ermüdungseffekt schafft es die Schau, mögliche Szenarien einer Welt ohne uns zu beschreiben.

Bis: 05.03.2017



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Ausgabe 1/2  2017
Ausstellungen Die Welt Ohne Uns. Erzählungen über das Zeitalter der nicht-menschlichen Akteure [22.10.16-05.03.17]
Institutionen Hartware MedienKunstVerein (HMKV) [Dortmund/Deutschland]
Autor/in Cynthia Krell
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