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1/2.2017




Basel : Markus Lüpertz


von: Iris Kretzschmar

  
links: Markus Lüpertz · Die Avantgarde der Kontinu­ität, 2016, Ausstellungsansicht Antiken­museum Basel ©ProLitteris
rechts: Markus Lüpertz · Die Avantgarde der Kontinuität, 2016, Ausstellungsansicht Galerie Knoell Basel ©ProLitteris


Farbige Plastiken des Herkules und der Göttin Flora von Markus Lüpertz (*1941, Reichenberg) mischen sich unter die klassischen Marmorstatuen im Antikenmuseum. Und auch in der Galerie Knoell hat die Antike in Bildern und Zeichnungen des deutschen Künstlers einen zeitgenössischen Echoraum gefunden. Für Lüpertz ist die Antike Inspirationsquelle und künstlerischer Gradmesser. Grund genug, eine Ausstellung zu wagen, die Gewinn für beide Kunsträume verspricht.
Quasi als «Galionsfigur» steht seit einem Jahr die monumentale Bronze ‹Daphne›, 2003, im Museumsgarten und illustriert eindrücklich das zeitübergreifende künstlerische Konzept von Lüpertz. Mit einem gedrungenen Körper, mächtigen Haupt und einem Fuss auf dem abgetrennten Kopf ihres mythischen Verfolgers Apollon zeigt Lüpertz die Nymphe von einer wilden Seite. Er kehrt das Rollenverhältnis um und verwandelt die von Apoll Begehrte in eine grausame Femme fatale mit ihrer Jagdtrophäe: dem Mann. Trotz der Unförmigkeit ihres Körpers erscheint sie graziös und stolz zugleich.
Unsere Wahrnehmung der Antike hinterfragt Lüpertz mit den Plastiken des Herkules im Oberlichtsaal. Die knorrigen, koboldähnlichen Bozzetti in bunten Farben kontrastieren die zeitlose Ästhetik der auf der polykletischen Proportionslehre basierenden Figuren. Mit blauem Bart und roten Backen erinnern die Lüpertz'schen «Störenfriede» an die ursprünglich farbig gefassten Statuen.
Eine Terrakotta von Tarent, um 400 v. Chr., aus der Museumssammlung hat den Künstler zu seiner Serie ‹Flora›, 2016, von über zwanzig Zeichnungen und mehreren sinnlichen Gips­figuren inspiriert. Die Arbeiten sind experimentell, kraftvoll im Ausdruck und machen seine schöpferische Suche sichtbar. Lüpertz lehnt sich zwar an das blütengeschmückte Vorbild an, klärt und ergänzt aber die Position der Statuette aus verschiedenen Blickwinkeln. Sechs Gipsgüsse variiert er durch unterschiedliche Bearbeitung und Bemalung. Der Wachsüberzug lässt die Göttin entrückt und diesseitig zugleich erscheinen.
Auch die Gemälde in der Galerie Knoell bezeugen die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Vergangenheit durch gemalte Zitate. So erscheint Odysseus in ‹Ulysses IV›, 2011, vor dem Hintergrund einer Meereslandschaft von Courbet, konfrontiert mit einer kokonähnlichen, weissen Form. Eine Venusfigur setzt Lüpertz ins märkische Umfeld. Und kombiniert mit seinen dithyrambischen Motiven reiht er sich gleich selbst in die antike kunstgeschichtliche Tradition ein.

Bis: 11.02.2017



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Ausgabe 1/2  2017
Ausstellungen Markus Lüpertz. Avantgarde der Kontinuität [13.11.16-11.02.17]
Ausstellungen Markus Lüpertz [12.11.16-11.02.17]
Institutionen Antikenmuseum [Basel/Schweiz]
Institutionen Galerie Knoell AG [Basel/Schweiz]
Autor/in Iris Kretzschmar
Künstler/in Markus Lüpertz
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