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Hinweis
1/2.2017




Colmar : Otto Dix - Hiob auf der Höri


von: Hans-Dieter Fronz

  
Otto Dix · Verkündigung, 1950, Christie's Images Limited ©ProLitteris. Foto: Cosimo Filippini


Otto Dix in Colmar? Eine Überraschung, ist das Museum Unterlinden doch weniger für seine Ausrichtung auf Moderne und Gegenwart bekannt als für seine bedeutende Sammlung von Kunst der frühen Neuzeit - und berühmt für ein einziges Exponat: Matthias Grünewalds Isenheimer Altar. Ebendieses Werk freilich besass für Dix, den Maler der Roaring Twenties, überragende Bedeutung, lange bevor er 1945 als Kriegsgefangener in Colmar interniert war und dort erstmals Gelegenheit hatte, den Altar zu sehen, den er bisher lediglich von Abbildungen kannte. Schon das expressionistische Frühwerk zeigt bis in die 1924 entwickelte altmeisterliche Lasurtechnik hinein Grünewalds Einfluss. Deutliche Bezugnahmen enthalten etwa das grossformatige Triptychon ‹Der Krieg› oder das verschollene wandfüllende Gemälde ‹Schützengraben› von 1923. Selbst in der Zeit seines ländlichen Asyls auf der Höri als verfemter Künstler unter Beobachtung malte Dix Bilder wie das apokalyptische Weltkriegsgemälde ‹Flandern›, 1933-36, oder einen ‹Hl. Christophorus› mit symbolischem Zeitbezug, der in der Darstellung des Christuskinds als Lichtgestalt Grünewalds auferstandenen Erlöser zitiert. Bezüge dieser Art entdeckt die Ausstellung noch im Spätwerk, wo biblische Motive Dix zugleich zur Überhöhung der eigenen Leiden in Christus- und Hiob-Darstellungen dienen.

Bis: 30.01.2017



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Ausgabe 1/2  2017
Ausstellungen Otto Dix - Isenheimer Altar [08.10.16-30.01.17]
Institutionen Musée d'Unterlinden [Colmar/Frankreich]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
Künstler/in Otto Dix
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