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Hinweis
1/2.2017




Genève : Belong and Observe


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Christy Gast · Castorera, A Love Story, 2014, Still aus Video, 6'57''
rechts: Alxandra Navratil · Silbersee, 2015, Still aus Video, 11', Courtesy Galerie Dan Gunn, Berlin


Rar sind nach wie vor Kuratierende, die dezidiert Kunstschaffenden eine Plattform bieten, die sich ökologischen Themen verschrieben haben. Eine Ausnahme stellen Isaline Vuille und Bénédicte Le Pimpec dar. So haben sie gemeinsam oder auch mit anderen Teams das Thema schon wiederholt aufgegriffen, bspw. in Ausstellungen wie ‹Darker and Darker Grows the Landscape›, Le Commun, 2015, ‹Le principe Galápagos›, Palais Tokyo, 2013, oder ‹Colony Collapse Disorder›, Sonnenstube, 2016. Seit August für das Programm der Mediathek des FMAC in Genf verantwortlich, widmen sie diesem Themenbereich nun ihre zweite Schau am diesem Ort.
‹Belong and Observe› geht von den unübertroffenen Dokumentarfilmen von Jean Painlevé (1902-1989) aus, die eine der Kuriositäten in der von André Iten aufgebauten Videosammlung sind. Der den Surrealisten nahestehene Biologe vereinte darin pulsierende Grossaufnahmen von Tieren mit wissenschaftlich rigorosen und zugleich ironischen Kommentaren, die sie uns als Lebewesen mit verwandten Problemen und Lösungsansätzen nahebringen. Ja teils werden sie sogar als politische Wesen präsentiert, wie in ‹Le Vampire›, 1939-1945, der die blutsaugende Fledermaus durch Spots aus Murnaus ‹Nosferatu›, 1922, symbolisch mit den Nazis verbindet.
Darum herum haben Vuille und Le Pimpec aktuelle Videos gruppiert, die ebenfalls unsere Empathie mit der uns heute mehr und mehr fremd gewordenen Fauna und Flora stimuliert - kuratorisch brillant eingeleitet von den ‹Bougies vénitiennes›, 1975, von René Bauermeister (1930-1985), in der man brennende Kerzen in steigendem Wasser versinken sieht, ehe die letzte auf einmal von einem Windstoss ausgeblasen wird. So frontal uns Christoph Draegers (*1965) in ‹Oel›, 1998 auf die Zerstörung durch die Förderung, den Transport und den Konsum des «flüssigen Golds» aufmerksam macht, so latent behandeln Sylvie Boiseau & Frank Westermeyer (*1970 und 1971) in ‹Jusqu'au 1021e siècle› die Frage des Schicksal des Atommülls. Am überraschendsten sind jedoch vielleicht die Videos von Christy Gast (*1976), die sich im Rahmen des Umweltprogramms ‹Ensayos› mit der Biberplage in Feuerland beschäftigte. In ­einem zeigt ein Förster genau auf, wie man einen Biber fängt und als leckere Speise zubereitet, um in der armen Region eine rationale Dezimierung des Tiers in Gang zu setzen, während in einem anderen die Forscher das Leben der Biber nachspielen und die Sache so auch einmal von der Gegenseite her zu begreifen versuchen. Alexandra Navratils ‹Silbersee›, in dem die fast romantisch wirkende Giftgrube der Agfa in Wolfen/D das Wort ergreift, zeigt aber zum Schluss: Auch die ausgestellten Bildwerke sind ökologisch nicht unschuldig.

Bis: 29.01.2017



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Ausgabe 1/2  2017
Ausstellungen Belong and Observe [10.11.16-29.01.17]
Institutionen Médiathèque Fonds d'art contemporain [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Link http://www.ssoabs.ch
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