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Hinweis
1/2.2017




St. Gallen : Werkstoffperspektiven


von: Stefanie Manthey

  
links: Werkstoffperspektiven, 2016, Ausstellungs­ansicht Sitterwerk St. Gallen. Foto: Noël Hochuli
rechts: Ossa Sepia im Schubladenschrank-Diorama, Werkstoffperspektiven, 2016, Ausstellungsansicht Sitterwerk St. Gallen. Foto: Noël Hochuli


Mooreiche, Muschelseide, Glyzerinseife, Kalk, Kasein-Fomaldehyd, Silikon-Kautschuk und expandiertes Polystyrol: Alle diese Materialien sind im Material-Archiv des Sitterwerks vertreten. Sie sind mehrheitlich in Schubladen gelagert, erfasst und via Datenbank zugänglich. Das Spektrum reicht von Trouvaillen, Sammlerstücken von Aficionados und Forschern, industriellen Werkstoffen bis zu künstlerischen Materialexperimenten aus der unmittelbaren Nachbarschaft: aus der Kunstgiesserei, den Gastateliers oder dem Raum, in dem die 5-Achs-CNC-Maschine als komplementäres Grosswerkzeug zur Giesserei steht. Sie sprechen in ihren Eigenschaften in der Gesamtatmosphäre mit, inspirieren und werfen seit Gründung der Sammlung eine Fülle von kleinen und grossen Fragen nach adäquater Lagerung, Auswahl, Erfassungsart und Digitalisierung auf, die sich in unterschiedlicher Geschwindigkeit beantworten lassen. Um langfristig überzeugende Problemlösungen zu finden, die sich nicht nur schlüssig ins Areal fügen, sondern auch zukünftige Entwicklungen und Projekte möglich machen.
Die aktuelle Präsentation in dem Raum, den sich das Material-Archiv mit der Kunstbiblio­thek teilt, ist in diese fortwährende Arbeit eingebettet: Sie stellt sie nicht aus, sondern im Jubiläumsjahr in den Momenten vor, wo sich die Nahtstellen für substanzielles Eigenstu­dium, Austausch und Kollaboratives besonders deutlich zeigen.
In eine Auswahl der raumhohen Metalleinheiten sind statt Schubladen Dioramen eingesetzt: White Cubes, die gemeinsam von Julia Lütolf mit der Künstlerin Theres Senn kuratiert wurden. Ein Materialmuster pro Raum, ergänzt mit gezeichneten Linien, die humorvolle Perspektiven auf das jeweilige Material skizzieren und mit Masstäblichkeiten spielen. Sie werden ergänzt durch elf Leporellos, die auf einem der Tische versammelt sind. Je ein Material dient hier als Ausgangsgrösse, um vier Dimensionen exemplarisch aufzuzeigen: den Weg in die Sammlung, das natur- und werkstoffgeschichtlichen Beschreiben und Klassifizieren, Literatur sowie Links ins Digitale. Die Auswahl ist so gesetzt, dass sich das, was das Material-Archiv in seinem Zustandekommen und Weiterwachsen spezifisch macht, zwischen den Zeilen erschliesst. Markiert wird eine Zuständigkeit, die weitergeführt werden kann und im Sitterwerk einen Ort hat, der uneitel kulturellen Humus produziert, indem es die «Kräfte der Selbstveränderung» aufnimmt und integriert. Dabei entsteht etwas ursächlich Kreatives, das ein sinnliches Angebot für Reflexion und Forschung als eigenen Wert und Haltung deutlich macht, in dem Eigenes und Fremdes nicht Gegenspieler, sondern Komplizen sind.

Bis: 15.01.2017



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Ausgabe 1/2  2017
Ausstellungen Werkstoffperspektiven [23.10.16-15.01.17]
Institutionen Sitterwerk - Kunstbiblioth./Werkstoffarchiv/Kesselhaus Josephsohn [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Stefanie Manthey
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