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Hinweis
1/2.2017




Vevey : Rien que pour vos yeux


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Antonio d'Enrico, genannt Tanzio da Varallo zugeschrieben · Evas Verteibung aus dem Paradies, 17. Jh., Studie für ein Fresko, Rötel auf Büttenpapie, 156x 129 mm, Musée Jenisch Vevey. Foto: Julien Gremaud
rechts: Giovanni Giacometti · Porträt Bruno Giaco­metti, Feder, Tusche auf Büttenpapier (aus einem Heft), 180x114 mm, Musée Jenisch Vevey. Foto: Julien Gremaud


Das Musée Jenisch hat in den letzten Jahren über sechstausend Zeichnungen in Empfang nehmen können, als Schenkung, ­Legat oder Depot. Eine Ausstellung zeugt nun von der riesigen Arbeit des Sichtens und Sicherns dieser neuen Schätze durch die Direktorin Julie Enckell Julliard sowie den beiden Konservatorinnen Emmanuelle Neukomm und Elisa de Halleux für die «art moderne». Anders als im deutschen Sprachgebrauch beginnt diese im französischen bereits mit der Renaissance und endet erst um 1970, was nicht zuletzt bei der Zeichnung Sinn macht. So ist diese erst mit Verbreitung des Papiers in Europa nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern zu einem Medium eigenen Rechts geworden und erfuhr mit der Hinwendung der Kunstschaffenden zur Installation in den Pionierjahren der zeitgenössischen Kunst eine entscheidende Öffnung.
Die komplex betitelte Schau will viel auf einmal: Einerseits möchte sie das Publikum am Genuss der schönsten Blätter teilhaben lassen, andererseits will sie es in die Techniken und Materialien der Zeichnung einweihen. Schier alle Gattungen vom Bildnis bis zur Landschaft, jeden Zweck und jedes Ziel von der Ideenskizze über den Reiseeindruck bis zum komplexen, raffinierten Werk streifend, werden dabei in jedem Saal die Möglichkeiten je eines nassen und eines trockenen Verfahrens wie Aquarell und Farbstift, Ölfarbe und Pastell, Tinte und Rötel sowie die Differenz von Bütten (gerippt) und ­Velin (körnig) vorgeführt. Selbst drei Exkurse in die zeitgenössische Kunst erlaubt sich die Ausstellung. So ist beim Pastell auch ein vibrierendes Farbstreifenbild von Sean Scully und bei der Kohle ein hyperrealistisches Hahnen-Diptychon von huber+huber in je wandfüllender Dimension zu sehen, während eine Fingermalerei von Louis Soutter auf Zeitungen das Verlassen traditioneller Papiere thematisiert.
Auf Schritt und Tritt ist also stets neues Einsehen gefragt. Aber, oh, wie lohnt sich diese Anstrengung! Nicht zuletzt, wenn man sich dabei auch etwas von den Etiketten, den Saalblättern oder sogar dem reizend als kleine Fibel zur Zeichnung gestalteten Katalog an die Hand nehmen lässt. Zum Ausklang bietet ein lauschiger Film von Lisa Ribi unerwartete Einblicke in die beiden das Musée Jenisch unterstützenden Papierrestaurationsateliers von Florence Dar­bre in Nyon und Olivier Masson in Zürich.

Bis: 26.02.2017



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Ausgabe 1/2  2017
Ausstellungen Rien que pour vos yeux [04.11.16-26.02.17]
Institutionen Musée Jenisch Vevey [Vevey/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
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