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Besprechung
3.2017


Daniel Lüthi :  Für die dritte Ausgabe der aufstrebenden Kunstbiennale von Kochi im südindischen Bundesstaat Kerala hat der Zürcher Künstler Bob Gramsma ein ortsbezogenes, wegweisendes und wohl bleibendes Werk geschaffen: die tonnenschwere Installation ‹riff off, OI#16238›.


Kochi : Bob Gramsma - Schlüsselwerk in Südindien


  
links: Bob Gramsma · riff off, The making of Biennale Kochi-Muziris, India, 2016.«Als wir den Beton einbrachten, kam das grosse Gewitter.»
rechts: Bob Gramsma · riff off, OI#16238, 800x550x55 cm, Kochi-Muziris, India, 2016. Foto: Daniel Lüthi


Diese Arbeit hinterlässt bleibende Eindrücke: Im Boden des Ortes, wo sie steht - und in den Köpfen derjenigen, die sie sehen. Das Werk im Hof des für die Biennale zentralen Aspinwall-Hauses werde die kommenden Jahre wohl überdauern, sagt Kurator Sudarshan Shetty, und das sei gut so. Zum einen werde es kaum möglich sein, die rund 120 Tonnen schwere Betonplatte mit vernünftigem Aufwand wieder zu entfernen. Schräg liegt sie im Loch, als wäre sie aus dem Weltall gefallen oder von einem Erdbeben in diese Lage befördert worden. Zum andern mache es Sinn, rühmt Shetty, ‹riff off› zur permanenten Installation zu machen, denn sie sei für «seine» Biennale ein Schlüsselwerk: Auf geniale Weise verbinde sie das Offensichtliche und das Versteckte, die Vergangenheit und die Aktualität. «Mit jedem Meter, den Gramsma in die Erde eingedrungen ist, hat er 1000 Jahre Geschichte an die Oberfläche befördert. Prozess und Resultat sind für alle sichtbar.» Ein höhlenartiger Hohlraum unter der Platte zeugt davon - und archäologisch anmutende Funde wie ein bearbeitetes Holzstück, das daneben steht, eventuell einmal Teil eines Schiffmastes war, und jetzt als kleine Ruhebank genutzt wird. Eine geniale Reverenz an den Ort (heute Kochi, früher Muziris) sei dies, und an den Biennale-Titel: ‹Forming in the pupil of an eye›.
Bob Gramsma (*1963, Uster) beschreibt mit Freude, wie er in der Hafenstadt zwischen alten Lagerhallen «einen neuen Raum, und den Abdruck dieses Raumes, also einen neuen Körper» hergestellt hat. Sechs Wochen lang arbeitete er mit lokalen Arbeitern und viel Bereitschaft zur Improvisation daran. Zuerst wurde ein Loch gegraben. Acht Stämme von Kokospalmen wurden als spätere Stütze in den Boden gerammt. «Als wir den Beton einbrachten, kam das grosse Gewitter - unvergesslich», erinnert sich Gramsma. Der Beton trocknete trotzdem und wurde zur Platte. Plangemäss gehorchte sie dem Hebelgesetz und kippte. «Sie sackte ab und klappte auf wie eine Schaukel», lacht Gramsma. Und ergänzt: «Den gewünschten Dialog über Kunst habe ich mit den Leuten von hier intensiv schon während der Produktion geführt.» Anlässlich der Eröffnung betonte auch Keralas Chefminister Vijayan diesen Gedanken - die Verbindung des Lokalen mit dem Globalen. Unter den rund 100 Künstlern sind internationale Grössen und faszinierende Lokalmatadoren, darunter der Mauer-Maler Sadaanandan aus Kerala. Bleibenden Eindruck hinterlässt noch ein anderer Schweizer, der Zürcher Designer und Kataloggestalter Andreas Koller.

Bis: 29.03.2017



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Ausgabe 3  2017
Autor/in Daniel Lüthi
Künstler/in Bob Gramsma
Link https://www.youtube.com/watch?v=EZ5iOXMyz-w
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