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Hinweis
3.2017




Basel : Bianca Pedrina


von: Françoise Theis

  
links: Bianca Pedrina · Cipollino Galaxy, 2017, Fünf UV-Direktdrucke auf Fussbodenbelag, Armierungsstahl
rechts: Bianca Pedrina · Orbita, 2017, Installation, Sieben Kanal Full-HD Video Loops, Stereo Sound


Die Basler Künstlerin Bianca Pedrina (*1985), die ihren Lebensmittelpunkt unterdessen nach Wien verlegt hat, zeigt im Untergeschoss des Kunsthauses Baselland ihre erste grosse institutionelle Ausstellung in der Schweiz. Ausgangspunkt der beiden eigens für die Schau geschaffenen Arbeiten ‹Cipollina Galaxy› und ‹Orbita› ist das fotografische Bild, das in zwei weitläufigen Installationen vom Medium der Momentaufnahme zum Mittel der Wahrnehmung von Dauer mutiert.
In der Installation ‹Cipollina Galaxy› tut sich ein komplexes Spiel zwischen Träger und Oberfläche auf. Das, was zunächst in den Blick fällt, sind der Ausstellungsraum selbst und dessen Leere. Mit nur wenigen Setzungen werden Wände, Boden und Eisenträger als eigentliche Träger der Installation markiert. Dazu benutzt die Künstlerin grosse rechteckige PVC-Matten, wie sie gemeinhin als Bodenbelag verlegt werden. An die Wand gelehnt oder gehängt, um einen Pfeiler drapiert oder über dem Boden schwebend, kennzeichnen sie die Strukturelemente der Architektur. Die Weichheit und Biegsamkeit des Materials steht dabei im Widerspruch zu den Motiven, mit denen die Matten bedruckt sind. Diese zeigen stark vergrösserte Aufnahmen von Marmorstrukturen, deren ineinanderfliessende, sedimentierte Bahnen wiederum auf das Trägermaterial verweisen. Pedrina griff dabei auf Aufnahmen eines Wiener Gebäudes von Adolf Loos von 1910 zurück. Dieser hatte der Fassade durch den Kontrast zwischen dem mit Marmor verkleideten Erdgeschoss und den verputzen Obergeschossen ein markantes Gepräge verliehen. Diese Charakteristik nimmt die Künstlerin in ihrer Installation auf, indem sie bildhaft Marmor und einfache, weiss gestrichene Betonwände miteinander in Bezug setzt.
Gleich nebenan in der Shedhalle taucht man in die siebenteilige Filmarbeit ‹Orbita› ein, die sich auf den im Raum platzierten Projektionsflächen entfaltet. In einer Art Einstülpung wird hier das Kunsthaus selbst zum Motiv. Risse, Abnutzungsspuren des Bodens und Ansichten von Architekturstrukturen erscheinen in einer langsamen Abfolge abstrakter Bilder. Das, was zunächst als Fotografie wahrgenommen wird, entpuppt sich als fixiertes filmisches Bild. So kommt die Betrachtungszeit jeder einzelnen Einstellung mit deren Aufnahmedauer zur Deckung und die Bewegung wird ins Auge des Publikums verlegt.

Bis: 15.03.2017



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Ausgabe 3  2017
Ausstellungen Doris Lasch, Bianca Pedrina [20.01.17-19.03.17]
Institutionen Kunsthaus Baselland [Basel/Muttenz/Schweiz]
Autor/in Françoise Theis
Künstler/in Bianca Pedrina
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