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3.2017




Frankfurt/M : Geschlechterkampf


von: Yvonne Ziegler

  
links: Franz von Stuck · Adam und Eva, 1920-1926, Öl auf Holz, 98x93,5 cm, Städel Museum, Frankfurt/M. Foto: Artothek
rechts: Gustav Adolf Mossa · Sie, 1905, Öl auf Leinwand, 80x63 cm, Musée des Beaux-Arts, Nizza ©ProLitteris. Foto: Laurent Thareau


Die Schau ‹Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo› zeigt Kunstwerke, die das Verhältnis der Geschlechter im Zeitraum zwischen 1848 und 1949 thematisieren. Im Lauf des 19. Jahrhunderts stellten so­ziale Veränderungen und Gedanken der Aufklärung die bürgerlichen Rollenverteilungen und Charakterzuschreibungen zunehmend in Frage. So forderte etwa der Sozialist August Bebel in seinem 1879 erschienenen Werk ‹Die Frau und der Sozialismus› die Gleichstellung von Mann und Frau. Gleichzeitig versuchten Denker wie Arthur Schopenhauer (1851), Charles Darwin (1871), Paul Julius Möbius (1900) und Otto Weininger (1903) die soziale Vorrangstellung des Mannes als natürlich zu zementieren.
In der chronologisch, thematisch und nach Künstlerpersönlichkeiten geordneten Präsentation werden pro Raum jeweils unterschiedliche Blickwinkel vorgestellt. Anhand der reinen Werkbetrachtung kann man daher nur schwer einen eindeutigen Sinnzusammenhang erschliessen, es gilt jeweils die kleinen Werkbeschreibungen zu lesen. Viel Raum nehmen Darstellungen von Frauen aus religiösen und mythologischen Erzählungen ein, die Männer getötet haben. Ihre Gründe sind unterschiedlich, manchmal sogar - wie im Fall Judiths - ehrenwert, werden jedoch über der erotischen Darstellung vergessen: Salome, Judith, Klytämnestra, Pythia, Medusa etc. Nicht Mut und Motiv, sondern die von Männern gefürchtete verführerische Macht und Rätselhaftigkeit von Frauen ist Bildthema. Amüsante Filme wie beispielsweise Alice Guys ‹Folgen des Feminismus› oder der Klassiker ‹King Kong und die weisse Frau› von 1933 lockern die Schau auf. Neben dem biblischen Urthema der Verführung (Adam und Eva), mit dem die Ausstellung beginnt, den genannten mythologischen Frauenfiguren und selbstbewussten kämpferischen Amazonen sind um die Jahrhundertwende unter anderem sexuelle Fantasien eines Felicien Rops und Lustmorddarstellungen von Otto Dix und Karl Hubbuchs zu sehen. Besonders eindrücklich stechen in diesem Zusammenhang die Hurendarstellungen von Elfriede Lohse-Wächter hervor. Die Ausstellung schliesst mit der selbstbewussten Frau der Weimarer Republik mit Kurzhaarschnitt und den surrealistischen Geschlechtermaskeraden von Marcel Duchamp und Claude Cahun bis zu Hans Bellmers Puppen und Frida Kahlos Selbstbildnissen. Das anfangs vorherrschende Bildnis der Angst einflössenden, ambivalent begehrten Frau weicht am Ende selbstbestimmten Selbstentwürfen jenseits der Geschlechterdualität.

Bis: 19.03.2017



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Ausgabe 3  2017
Ausstellungen Geschlechter-Kampf [24.11.16-19.03.17]
Institutionen Städel Museum [Frankfurt/M/Deutschland]
Autor/in Yvonne Ziegler
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