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3.2017




München : Postwar


von: Roberta, De Righi

  
links: Ibrahim El-Salahi · Self-Portrait of Suffering, 1961, Öl auf Leinwand, 30,4x40,6 cm, Iwalewa-Haus, Universität Bayreuth ©ProLitteris
rechts: Roy Lichtenstein · Atomic Burst, 1965, Acryl auf Holz, 61x61 cm ©ProLitteris, Courtesy Modern Art Museum of Fort Worth


Die «Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen» kann man jetzt in ‹Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945 bis 1965› im Münchner Haus der Kunst erneut beobachten: in einer flirrend vielgestaltigen Zusammenschau von 350 Kunstwerken aller Gattungen von 218 Künstler/innen aus 65 Ländern.
Okwui Enwezor gilt als der Mann fürs Globale, seit der Kosmopolit mit nigerianischen Wurzeln 2001 in der Münchner Villa Stuck ‹The Short Century› kuratierte. Es folgten 2002 die Documenta XI, 2015 die Biennale. In diese Reihe fügt sich die gemeinsam mit den Kuratoren Katie Siegel und Ulrich Wilmes erarbeitete ‹Postwar›. Eine Weltkunst-Synchronopsis in acht Kapiteln, die den eurozentrierten Blick überwinden und den starren West-Kanon aus­ser Kraft setzen will und weder chronologisch noch regional geordnet ist. Die Begrenzung bis 1965 ist der Tatsache geschuldet, dass bereits Projekte zu Postkommunismus und -kolonialismus in Planung sind. In allen Sektionen wirksam bis zur Umkehrung ist die ideologische Teilung der Welt in zwei Blöcke nach dem Zweiten Weltkrieg, die auch in der Kunst prägend war: Die westliche Hemisphäre, beeinflusst durch die USA, propagierte die Abstraktion, während im Osten Figuration und (sozialistischer) Realismus hochgehalten wurden.
Der Auftakt ist mit ‹Stunde Null und Atomzeitalter› überschrieben. Da trifft man etwa auf ‹Liquidation im Ghetto› von Andrzej Wróblewski. Nahe geht auch die ‹Nagasaki Journey› des Militärfotografen Yosuke Yamahata, der am Tag nach dem Bombenabwurf den unfassbaren Schmerz und qualvollen Tod der Menschen dokumentierte. Extrem verdichtet ist ‹Neue Menschenbilder›, u.a. mit Bacons ‹Papst› und Leon Golubs ‹Mensch aus Palmyra›; in ‹Form ist bedeutsam› steigert die Nähe von Tapies' ‹Mäuseloch› zu Eva Hesses Schlauch-Stele die Wirkung. Die von Pathos und Volkserziehungswillen durchdrungenen Bilder aus der Volksrepublik China und der Sowjetunion, ergänzt durch West-Figura­tion, sind allerdings provozierend simpel als ‹Realismen› zusammengefasst. Und zwischendrin geht die Spannung verloren. Das Kapitel ‹Medien, Netzwerke, Kommunikation› etwa wirkt so lose verbunden wie der Titel. Ulrich Wilmes erklärt, die Präsentation stelle mehr Fragen, als dass sie Antworten geben wolle. ‹Postwar› lässt zwangsläufig Entstehungsbedingungen und stilistische Entwicklungen aussen vor. Dabei wirkt der Overkill an Kunstwerken fast wie ein Schutzschild, der jeden Beurteilungsversuch abprallen lässt.

Bis: 26.03.2017



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Ausgabe 3  2017
Ausstellungen Kunst zwischen Pazifik und Atlantik (1945-1965) [14.10.16-26.03.17]
Institutionen Haus der Kunst München [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
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