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3.2017




Wien : Georgia O'Keeffe


von: Patricia Grzonka

  
links: Georgia O'Keeffe · Oriental Poppies, 1927, Courtesy The collection of the Frederick R. Weisman Art Museum at the University of Minnesota, Minneapolis ©ProLitteris
rechts: Georgia O'Keeffe · From the Faraway, Nearby, 1937, Courtesy The Metropolitan Museum of Art, New York ©ProLitteris


Fast die Hälfte ihres Lebens verbrachte Georgia O'Keeffe (*1887-1986) in ihrem Wahldomizil im Südwesten der USA und malte dort imposante, breite Naturbilder: Wüstenmotive im Cinemascope-Format. Ab 1949 verlegte sie ihren Wohnsitz ganz nach New Mexico und lebte wechselnd mit den Jahreszeiten in einem Lehmziegelhaus und auf einer Ranch. Sie tauschte damit ihre Existenz als Künstlerin und angesagtes androgynes Fotomodell in der Kunstmetropole New York gegen ein eremitisches Leben in karger Umgebung. Hier starb sie fast hundertjährig.
Georgia O'Keeffe gilt heute als eine der wichtigsten amerikanischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. 1946 widmete ihr das New Yorker MoMA als erster Künstlerin eine Einzelausstellung. Ungewöhnlich ist diese Karriere besonders deshalb, weil O'Keeffe keine der klassischen Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts vertrat - weder war sie Surrealistin, noch Dadaistin, noch Fotografin oder Objektkünstlerin, sondern sie reüssierte in einer typischen Männerdisziplin, der Malerei. Sie war bereits mit ihren ersten Ausstellungen eine gefeierte Künstlerin im New York der Roaring Twenties - anfangs noch mit Starthilfe des Fotografen Alfred Stieglitz, ihrem späteren Ehemann, der die Avantgarde-Galerie 291 leitete, in der sie 1916 erstmals ausstellte.
Dieses Datum ist denn auch der äussere Anlass für diese grosse europäische O'Keeffe-Schau, eine der bisher umfangreichsten ausserhalb der USA. Der Überblick widmet sich den zentralen Schaffensphasen O'Keeffes: Den Anfang machen die Grossstadtbilder von New York, düstere Stadtlandschaften einer Hafen- und Industriemetropole in dunklen Blau- und Grautönen. Der Suche nach der Abstraktion in den mittleren Schaffensjahren ist ein eigener Raum gewidmet, aber auch O'Keeffes berühmten Blumenbildern, deren bemerkenswerte Bildausschnitte eine Beeinflussung durch die Fotografie erkennen lassen. Auch umgekehrt entspann sich die Inspiration: O'Keeffes Blumen- und Naturansichten waren der Ausgangspunkt für Fotografen wie Edward Weston, rätselhafte Aufnahmen bspw. eines Kohlblatts oder einer Artischocke zu machen. Diese, wie auch Fotografien von Alfred Stieglitz, sind ebenfalls zu sehen. O'Keeffes mystische, karge, in hellen Beige- und Blautönen gehaltenen Gemälde aus New Mexico gehören zum Höhepunkt der Schau. Fast dokumentarisch und mit bisweilen surrealem Einschlag zeugen sie von einem malerischen Werk zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.

Bis: 26.03.2017



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Ausgabe 3  2017
Ausstellungen Georgia O'Keeffe [07.12.16-26.03.17]
Institutionen Bank Austria Kunstforum [Wien/Österreich]
Autor/in Patricia Grzonka
Künstler/in Georgia O'Keeffe
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