Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
4.2017


Gisela Kuoni :  Seit einem Jahr hat Chur ein neues Kunstmuseum und ­dessen Angebote sprengen den Rahmen konventioneller Ausstellungstätigkeiten. So lässt die Musikerin Vera Kappeler derzeit den Bündner Künstler Andreas Walser mit einem berührenden und spartenübergreifenden Programm neu aufleben.


Chur : Andreas Walser - Lebensstationen eines jung Verstorbenen


  
Andreas Walser · Und Jetzt - gehe ich, 2017, Ausstellungsaufnahme Bündner Kunstmuseum, 2017, Ausstellungskonzeption von Vera Kappeler, Bühnenbilder von Duri Bischoff, Lichtdesign von Roger Stieger. Foto: Dominique Uldry


Das «Labor» im neuen Museum erlaubt eine überraschende Annäherung an den hoch talentierten, rätselhaften und jung verstorbenen Bündner Künstler ­Andreas Walser (1908-1930). Vera Kappeler greift nach ihrer jahrelangen Auseinandersetzung mit Walser nicht ausschliesslich auf dessen malerisches Werk zurück. Zwar zeigt sie Arbeiten, die noch nie öffentlich ausgestellt waren, sprengt aber zugleich die Grenzen einer reinen Werkdokumentation. Während fünf Monaten möchte sie dem Künstler in Chur und darüber hinaus neue Präsenz verleihen, zu Diskussionen anregen, Fragen stellen, die über künstlerische Aspekte hinausgehen, und so Walsers Werk in einen neuen Kontext stellen. Aufgewachsen als Pfarrerssohn in Chur zog es den 20-jährigen Maler in die Kunstmetropole Paris. Er wollte nach eigenen Aussagen «ganz und gar französisch werden». Und so gedrängt, ja hektisch sich das Leben des jungen Walser in Paris abgespielt haben mag, so dicht und reichhaltig werden auch die geplanten Veranstaltungen sein. Eine kunsthistorische Aufarbeitung erfuhr sein Werk durch Ausstellungen in Chur (1994), Winterthur (1995) und Paris (1996).
Die Installationen zu Walsers Lebensstationen bestehen aus Bildern, Zeichnungen, Skizzen und Notizen, die mit Musik und sparsamen szenischen Eindrücken konfrontiert sind. Damit wird versucht, Walser «als ganzen Künstler und Menschen zu begreifen». Die Protagonisten sind junge Menschen, etwa gleich alt wie Walser selbst, Kantonsschüler/innen und Mitglieder des Jungen Theaters Graubünden, die mit ­ihrem Spiel, experimenteller Musik, improvisierten Textcollagen ihr eigenes ­Suchen formulieren, das dem des jungen Künstlers ähnlich sein mag. Der Ausstellungsraum ist Bildergalerie und Bühne zugleich. Dem Lichtdesigner Roger Stieger vom Theater Chur ist es mit einer stimmungsvollen Lichtführung gelungen, den Exponaten neue und ungewohnte Präsenz zu verleihen. Situationen aus Walsers Pariser Leben hat Bühnenbildner Duri Bischoff in Miniaturkulissen nachgebildet. Was jetzt im «Labor» gezeigt wird, ist ein Experiment, das Mut voraussetzt und einen Museumsdirektor mit Sinn für neue Wege, die das hergebrachte Kunstverständnis sprengen. Mit ­Vera Kappeler ist eine hoch sensible Kuratorin am Werk, die anhand der Werke von ­Walser und der Mitwirkung junger Menschen einen sichtbaren, wenn auch vielleicht ungewöhnlichen Bezug zur Gegenwart schafft.

Bis: 16.07.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 4  2017
Ausstellungen Andreas Walser [11.02.17-16.07.17]
Institutionen Bündner Kunstmuseum [Chur/Schweiz]
Autor/in Gisela Kuoni
Künstler/in Andreas Walser
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=170317160910AAA-13
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.