Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
4.2017


Nicola Schröder :


— Zum ersten Mal überhaupt ist im Kunst(Zeug)Haus mit ‹In_Visi : In_Visible Limits - Unterwegs in Grenzgebieten


  
Nicolai Rapp · Dead white men's clothes, 2012


Zum ersten Mal überhaupt ist im Kunst(Zeug)Haus mit ‹In_Visible Limits› eine Wanderausstellung zu sehen. Das formale Konzept des deutschen Kurators Raimund Menges vom Kunstverein Kontour aus Stuttgart: zwei Länder, acht künstlerische Positionen, vier Ausstellungsorte. Damit sind bereits diverse Grenzen und einige Überschreitungen gesetzt. Und man kann es vorwegnehmen - es ist eine schöne und schlüssig inszenierte Ausstellung. Einmal mehr bietet das Dachgeschoss des Kunst(Zeug)Hauses einen starken Rahmen, fast so, als wäre die ganze Schau allein für diesen Ort entstanden. Dabei ist Rapperswil die vierte und letzte Station nach Aschaffenburg, Konstanz und Interlaken. Die Künstler/innen stammen jeweils zur Hälfte aus Deutschland und der Schweiz. Sie zeigen triftige Konzepte, die einen je eigenen künstlerischen Kosmos repräsentieren. In einigen der Werke wird die Thematik der ‹Grenze› denn auch kunstimmanent erforscht: Das Künstlerpaar Glaser/Kunz beispielsweise setzt sich mit dem Schwarz-Weiss-Kontrast auseinander. Gleichzeitig stellt ihre Arbeit die Grenzen von Malerei, Video und Installation auf die Probe. ­Nicolai Rapp befasst sich ebenfalls mit Schwarz versus Weiss. Porträtaufnahmen von Menschen in Ghana hat er nachträglich mit der aggressiven Bleichcreme behandelt, die man dort benutzt, um weiss zu werden. In Mosambik hat er Pakete voller westlicher Spendenkleider fotografiert, von denen die Menschen dort ihrer ­guten Qualität wegen glauben, sie könnten nur von Verstorbenen stammen.
Auf menschliche Aggregatzustände in einer ‹ex vivo in vitro›-Situation trifft man in Frantiček Klossners seltsam irrealer Laborsituation, die durch Projektionen auf Flaschen entsteht. Auch Victorine Müller experimentiert mit physischen Grenzen von Körpern und Projektionen. Ihr riesiger Tintenfisch aus PVC-Folie schwebt im Raum wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Demgegenüber sind die Figuren im Video von Anna Anders sehr realistisch. ‹Intruders› thematisiert auf eine bildhafte Art das Thema des Eindringlings. Junge Menschen versuchen über alle vier Seiten des Bildausschnitts in unsere Realität vorzudringen. Mit den weiteren Arbeiten der Ausstellung fügt sich alles zu einem Gesamtbild, das sehenswert, angesichts der aktuellen globalen Vorgänge aber eher verhalten ist. Dabei fordert man mit diesem Thema die Frage doch heraus: Was kann, darf oder muss die Kunst jetzt tun? Aufschluss können hier vielleicht die flankierenden Diskussionsrunden geben.

Bis: 30.04.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 4  2017
Ausstellungen In_Visible Limits [26.02.17-30.04.17]
Institutionen Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=170317160910AAA-17
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.