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Besprechung
4.2017


Yvonne Ziegler :  Unter dem Titel ‹Hello, Robot› zeigt das Vitra Design Museum Technologien, Objekte und gesellschaftliche Implikationen der Robotik auf. Als Gestalter der Mensch-Maschine-Schnittstelle haben Designer im angebrochenen Zeitalter von Robotern und robotischen Systemen eine äusserst verantwortungsvolle Rolle.


Weil am Rhein : Hello Robot - Sind wir Robotern gewachsen?


  
links: Joseph Popper · When the Home Stops, 2011
rechts: Takanori Shibata · Paro, 2001, Courtesy AIST Japan


Wer kennt ihn nicht? Den Piepslaute von sich gebenden Roboter R2-D2 aus ‹Star Wars›. So wie er haben viele Film- und Literaturfiguren unsere Vorstellung von Robotern geprägt, im Guten wie im Schlechten, mehr oder weniger menschenähnlich. Doch was ist eigentlich ein Roboter? Dies ist nicht eindeutig zu entscheiden. Denn robotische Systeme können diverse Formen annehmen, autonom, selbststeuernd und lernfähig sein. Im Kern kann man sie mit Carlo Ratti als Einheiten mit Sensoren, Intelligenz (datenverarbeitender Software) und Aktuatoren auffassen.
Zunehmend sind Staubsauger-Roboter, Cybersexdildos, Smart-Home-Einheiten, Software-Roboter (bspw. der Twitter-Chatbot ‹Tay›), Drohnen, tragbare Exoskelette und teilrobotische Systeme wie Smartphones in Gebrauch, weshalb die Ausstellungsmacher die Frage stellen, wie Menschen zukünftig mit ihnen leben wollen. Dabei werden sowohl positive als auch negative Aspekte angesprochen. Bei vermeintlich einfachen Alltagstätigkeiten wie Sprinten, Treppensteigen oder Einkaufen fallen Roboter weit hinter dem Menschen zurück. Aber bezogen auf 24-Stunden-Routinearbeiten und Spezialaufgaben wie die Berechnung und Erstellung des nachts leuchtenden ‹Elytra Filament Pavilion› aus Glas- und Kohlenstofffasern eröffnen robotische Systeme dem Menschen neue Freiheiten und Gestaltungswelten. So kann man zuschauen, wie der Industrieroboter ‹YuMi› mit absoluter Präzision komplexe, sich wiederholende Arbeitsschritte ausführt. Er zählt zu den intelligenten multisensorischen kollaborativen Robotern, die dem Mensch zur Hand gehen und nicht mehr als gefährliches Ungetüm im Glaskasten sitzen. Solche Roboter können die mühselige Arbeit ersetzen, wie sie auf Fotos von riesigen Industriehallen zu sehen ist.
Bei Führungen darf man in der Sektion ‹Freund und Helfer?› den Plüschroboter ‹Paro› auf den Arm nehmen und ihn streicheln. Ein mehr als erfüllendes Erlebnis, haben wir doch als Kinder unsere unersetzlichen Kuscheltiere geliebt. So ist auch verständlich, dass der 1999 entwickelte Hund ‹Aibo› nach seinem Ableben betrauert und zeremoniell begraben wird. Am Ende drängt sich die Frage nach einer Ressourcen schonenden Herstellung, Betreibung und Entsorgung robotischer Systeme auf, wo doch heute schon Natur bedroht und Rohstoffe knapp sind. Für eine gute smarte Welt braucht es viele empathische, verantwortungsvoll und umfassend denkende Köpfe in Industrie und Politik. Können wir das schaffen?

Bis: 14.05.2017



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Ausgabe 4  2017
Institutionen Vitra Design Museum [Weil am Rhein/Deutschland]
Autor/in Yvonne Ziegler
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