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Hinweis
4.2017




Paris : Thomas Huber


von: J. Emil Sennewald

  
Thomas Huber · extase, 2017, Ausstellungs­ansicht CCSP ©ProLitteris. Foto: Marc Domage


Ratlos steht man im leeren Ausstellungsraum, umringt von ‹Mösenhaufen›. So heissen die meist rosafarbenen Gebilde, deren Öffnungen an das nämliche Geschlechtsteil erinnern. Als grossformatige Aquarelle ausgeführt, hängen Vulven an der Wand, aus denen es wie aus Brunnen sprenkelt, oder eher trockene. An den Stirnseiten hat Thomas Huber (*1955, Zürich) wandgross gezeichnet. Die Architektur in situ aufnehmend, skizzierte er direkt auf die Wände, zeichnete Vulva-Kegel hinein. Wir kennen und mögen den Maler für seine raumgreifenden Installationen, seine Bild-Text-Kombinatorik. In der Ausstellung sind wir der ‹Extase› des Titels fern. Auch der Übergangsraum, den Huber oft malend schafft, will sich zwischen den Bildern nicht einrichten. Zu zahm, zu vage sind die Vaginen, deren erotische Spannkraft der von Gummilitzen in Autotüren gleichkommt. Immerhin entgeht er dem voyeuristischen Skandal, der noch Courbets ‹Ursprung der Welt› sicher war. Doch Hubers Vaginahütchen bleiben auch zum Ding verdichtet noch Fallen für den männlichen Blick. Auf einem Aquarell hat er sie tatsächlich als Gruben in den Saalboden gezeichnet: Eros fängt Psyche. In dieser Falle geht die von Künstlerinnen wie Valie Export, Gina Pane, Judy Chicago oder Kiki Smith freigesetzte «Genitalpower» leicht vergessen. Was bleibt: Sex sells - bisher ist die Schau sehr erfolgreich.

Bis: 02.04.2017



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Ausgabe 4  2017
Ausstellungen Thomas Huber [21.01.17-02.04.17]
Institutionen Centre Culturel Suisse [Paris/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Thomas Huber
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