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4.2017




Stans : Alte Meister


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Alte Meister, Ausstellungsaufbau Nidwaldner Museum Winkelriedhaus, 2017, v.l.n.r. Thomas Odermatt (Sammlungs- und Ausstellungstechniker) und Patrizia Keller (Kuratorin). Foto: Christian Hartmann
rechts: Alte Meister, Ausstellungsaufbau Nidwaldner Museum Winkelriedhaus, 2017, v.l.n.r. Patrizia Keller (Kuratorin), Thomas Odermatt (Sammlungs- und Ausstellungstechniker) und Jozef Lauwers (Ausstellungstechniker). Foto: Chris­tian Hartmann


‹Alte Meister› titelt das Nidwaldner Museum für die neue Ausstellung - und meint damit jene rund zweihundert Werke, die als Dauerleihgaben der Frey-Näpflin-Stiftung ins Museum gelangten. Bisher waren die Werke in eigenen Räumen in Stansstad in musealer, die einzelnen Bilder als Kostbarkeiten zelebrierender Präsentation zu sehen. Für die Schau im Pavillon neben dem Winkelriedhaus wählte die Kuratorin Patrizia Keller allerdings den gegensätzlichen und einen zweifellos auch ehrlichen Weg: Die Bilder bedecken in alter Galeriehängung lückenlos alle vier Wände - ohne Hierarchie, weder chronologisch noch nach Künstlern, Motiven oder Stilen gegliedert, sondern eher nach Formaten, was zu teils amüsanten Nachbarschaften führt, so Deschwandens ‹Herz Jesu› neben einer Venus, die Boucher zugeschrieben wird. Die Saaltexte gehen nicht auf Fragen der Authentizität etwa der Rubens, van Dycks, Massys, Rigauds ein - zweifellos rechtens: Die vor wenigen Jahren verstorbenen Stifter Anton Frey-Näpflin (er war Treuhänder) und seine Frau Ruth hinterliessen keine wissenschaftlich exakte Aufarbeitung ihrer Bestände. Es gibt keine Informationen über Provenienzen. Und das bescheiden dotierte Nidwaldner Museum kann die komplexen und kostspieligen Recherchen über die Echtheit der Bilder nicht leisten. Man nimmt die Dinge so, wie sie sich anbieten, und so wird die Präsentation im Pavillon - im Winkelriedhaus selber sind wenige Skulpturen sowie, in der Kapelle, drei weibliche Akte von Karl Felix Appenzeller zu sehen - zu einem sympathisch ehrlichen, aber durchaus auch kritisch-distanzierten Porträt des Sammlerehepaars, das während fünfzig Jahren spontan, ohne erkennbare Pläne und vor allem mit sehr divergierenden Qualitätskriterien über tausend Werke zusammentrug: die typische Sammlung von Liebhabern also, die sich ganz auf ihre Vorlieben konzentrieren dürfen. Als Trend liesse sich allenfalls ausmachen, dass die Sammler stilistische Wagnisse oder den Aufbruch in die Moderne sorgfältig mieden und trotz teilweise sicher höchst umstrittener Zuschreibungen auf bekannte Namen und damit auf eben prestigeträchtige «Alte Meister» setzten. Daneben widmeten sie sich aber auch dem Innerschweizer Kunstschaffen mit Robert Zünd, Jakob Joseph Zelger, Hans von Matt, Leopold Häfliger, Rolf Brem, Adolf Herbst. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt auch bei Post-Nazarenern wie Deschwanden, Jost Troxler oder Heinrich Keyser.

Bis: 07.05.2017



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Ausgabe 4  2017
Ausstellungen Sonderausstellung: Alte Meister [04.02.17-07.05.17]
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Institutionen Winkelriedhaus/Pavillon [Stans/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
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