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4.2017




Winterthur : Filib Schürmann


von: Dominique von Burg

  
links: Filib Schürmann · unsorgfältig aufgeräumtes schlachtfeld meiner gedanken (2), Detail, 2016, 140x307 cm, Acryl, Spray und Tusche auf Papier
rechts: Filib Schürmann · persönlicher vorschlag eines (ziemlich lebendigen) grabsteins in möglichst ferner zukunft, 2016, Detail, Acryl, Spray und Tusche auf Papier, 200x150 cm


Filib Schürmann (*1976, Visp) ist ein passionierter Zeichner und Maler. Er verarbeitet Gedanken und Gefühle, Regungen und Spannungen, existentielle Fragen und Ängste zu obsessiven Zeichnungen und gestischen, informellen Malereien. Stets arbeitet der Zürcher Künstler gleichzeitig an mehreren Arbeiten am Boden. Jeder Neuanfang erfüllt ihn mit Euphorie und gleichzeitig mit Angst vor dem Scheitern. Schürmann setzt auf eine Papierrolle, die weder ein Oben noch ein Unten definiert, das, was bewusst oder unbewusst seinen Verstand kreuzt, ohne zu versuchen, seine Hand oder seine Komposition zu kontrollieren. Es entstehen unbewusste Kritzel, Schlenker, zahllose Spurenstriche, die oft aus dem Auswischen des Pinselstrichs resultieren. Auch die Farben ergeben sich fast von selbst, sind ihm doch alle gleichwertig. Bald scheinen sie gut miteinander zu harmonieren, bald irritieren sie in ihrer Kakophonie. Zwischen diese spontanen Bildfindungen schieben sich Flecken aus äusserst filigranen, kleinsten Tuschestrichen oder mit winziger Schrift beschriebene Textblöcke. Die kleinen Botschaften sind von seinem Lieblingsautor Samuel Beckett inspiriert oder transportieren eigene poetisch-absurde Formulierungen. Die Irritation, die Reibung ist für den Künstler enorm wichtig. Er inszeniert Brüche mit konkreten, geometrischen Formen, durchschlägt den Weissraum - einen Raum der Ruhe, des Innehaltens - und konfrontiert das formal Gefasste mit virtuosen Wirbeln und explosiven Gebilden. Während sich das Bildgeschehen zunehmend verdichtet, lotet er zeichnerische und malerische ­Grenzen bis zur Unerträglichkeit aus. Sein einziger Entscheid besteht darin, ob und wie er das Papier beschneiden soll. Regelmässig hängt er dann zwei oder drei Bilder an die Wand und überlegt, wohin er das Bildgeschehen weitertreiben will oder ob er gar das eine oder andere Werk übermalen muss. Dies alles vollzieht sich als instinktiver Prozess - nicht zuletzt, weil das Bild gemäss Schürmanns Aussage die Kontrolle über ihn hat.

Bis: 15.04.2017



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Ausgabe 4  2017
Ausstellungen Filib Schürmann [05.03.17-15.04.17]
Institutionen oxyd Kunsträume [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Filib Schürmann
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